Die Datenraten in unserem Gehirn

Im täglichen Leben ist uns nicht bewusst, mit welchen unterschiedlichen Datenraten in unserem Gehirn Informationen verarbeitet werden. Dabei ist es für den effizienten Einsatz unseres wichtigsten Werkzeugs durchaus sinnvoll, sich über die unterschiedlichen Stärken und Schwächen dieses Organs im Klaren zu sein.
Unser Bewusstsein, welches Dinge benennt, ordnet, einsortiert und zu Symbolen reduziert, ist der eine Teil, der Informationen verarbeitet. Unser Unbewusstsein, welches alle Reize verarbeitet, vernetzt, durch Gefühle und Triebe steuert und gesteuert wird, ist der andere Teil. Beide zusammen sind wir, unsere Persönlichkeit, unser Sein.
Beide Teile unseres Gehirns verarbeiten Information mit höchst unterschiedlichen Datenraten. Die Angaben der folgenden Grafik sollen Ihnen einen Überblick über einige unterschiedlichen Verarbeitungsgeschwindigkeiten geben.

Datenraten mp3, CD, DSL, HDTV, Gehirn

So müssen, wenn wir Musik aus einer mp3-Datei hören wollen, 128 kBit/s durch das Abspielgerät verarbeitet werden. Hören wir die Musik von einer CD, müssen ungefähr 1,4 Millionen Bit pro Sekunde verarbeitet werden. Schauen wir einen Film in HD-Qualität, muss das Wiedergabegerät rund 24 Millionen Bit/s verarbeiten. Von den 12 Mio. Bit/s unseres Unbewusstseins werden alleine 10 Millionen Bit pro Sekunde im Sehzentrum verarbeitet.
Erstaunlicherweise spielt unser Bewusstsein in einer völlig anderen Liga. Statt Millionen von Bits, die pro Sekunde verarbeitet werden, sind es hier gerade einmal rund 60 (in Worten: "sechzig") Bit pro Sekunde!

Dieser Geschwindigkeitsunterschied ist schwer vorstellbar. Ich möchte versuchen, Ihnen die unterschiedlichen Größenordnungen der Datenraten des Bewusstseins und des Unbewusstseins an folgendem Beispiel deutlich zu machen.
Auf dem Foto links ist der Basketballspieler Marcus Toledo dos Reis zu sehen. Er hat gerade eben den Basketball auf den Boden ticken lassen und fängt den Ball mit seiner rechten Hand in Kopfhöhe wieder auf. Die Zeit, die zwischen dem Aufprall und dem Auffangen in Kopfhöhe vergangen ist, liegt bei rund einer Sekunde.

Nehmen wir an, die Geschwindigkeit dieses Vorgangs entspräche der Datenrate unseres Bewusstseins. Wie hoch wäre der Ball gesprungen, wenn er die ungleich höhere Geschwindigkeit des Unbewusstseins hätte?

Die Antwort lässt sich leicht ausrechnen. 12 Millionen Bit pro Sekunde sind zweihunderttausend mal mehr als die 60 Bit des Bewusstseins. Das heisst, der Ball würde in unserem Gedanken-Experiment nicht 2 Meter hoch, sondern 200000 mal so hoch, also rund 400 Kilometer hoch springen.
Der Ball würde innerhalb einer Sekunde an den Fenstern der im Orbit kreisenden Internationalen Raumstation ISS vorbei rauschen. Um diese Höhe innerhalb einer Sekunde zu erreichen, müsste der Ball sich mit Überlicht-Geschwindigkeit also mit Warp 1 bewegen. Scotty vom Raumschiff Enterprise lässt grüßen!

Wer denkt, ist langsam


Der niederländische Sozialpsychologe Ap Dijksterhuis beschreibt in seinem Buch "Das kluge Unbewusste" diese Diskrepanz und erläutert, dass wir Menschen jedoch ziemlich gut mit dem langsamen Bewusstsein klar kommen. Denn die wirklich wichtigen Dinge in unserem Kopf werden vom Unbewussten gesteuert: Wahrnehmen unserer Umwelt, Bewegen in selbiger, Überleben.
Die Rolle unseres Bewusstseins beschränkt sich oft auf die einer Art Pressesprecher, der mit großartigen Worten Geschehenes und Erlebtes kommentiert. Es tut so, als wäre es bei wichtigen Entscheidungen selbst involviert gewesen. Wie Pressesprecher halt so sind: sie verkünden Großes, sind an den dahinter stehenden Prozessen aber kaum beteiligt.

Dazu kommt, dass unser Bewusstsein nur seriell arbeiten kann. Wir können zwar zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her schalten. Allerdings ist dieses Umschalten nicht reibungslos machbar. Wir verlieren dabei an Effizienz. Die Dinge, die wir gleichzeitig tun können, sind meistens eine Mischung aus bewusster und unbewusster Aktivität: uns unterhalten und dabei Auto fahren, Zähne putzen und dabei über eine Person nachdenken.
Das geht alles. Das ist aber kein Multitasking des Bewusstseins, sondern die Kooperation zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein.
Unser Unbewusstsein hat hingegen kein Problem damit, Dinge parallel zu erledigen. Es macht es laufend: Singen und Tanzen, Sehen und Hören, die Umgebung auf Gefahren überwachen, den Mantel anziehen oder alles gleichzeitig!

Schauen wir uns den Unterschied zwischen paralleler und serieller Verarbeitung an einem kleinen Beispiel an. Hierzu möchte ich Sie bitten, folgendes kleines Experiment durchzuführen. Suchen Sie im folgenden Bild bitte das rote Quadrat:


Das war einfach, oder? Sie werden jetzt vielleicht denken:
Was soll das denn? Man sieht das rote Quadrat sofort! Es springt einen doch förmlich an!

Richtig! Aber wieso ist das so? Doch nur, weil wir die gesamte Situation im Überblick haben und automatisch und parallel verarbeiten.

Ganz anders sieht es aus, wenn eine zusätzliche Information verarbeitet werden muss. Hier muss unser Gehirn auf serielle Suche umschalten und ist signifikant langsamer als vorher. Bitte suchen Sie das rote Quadrat nun in diesem Bild:


Das hat schon etwas länger gedauert, nicht wahr?
Das, was uns an Denkvorgängen bewusst ist, ist der langsame Teil und das Unbewusste ist der schnelle Teil unseres Seins.

Was bringt diese Erkenntnis in der Praxis?

Der aktive Lifehacker versucht nun natürlich diesen Unterschied in der Informationsverarbeitung zu seinem Vorteil einzusetzen. Wie können wir die wahnsinnig schnelle Verarbeitungsrate des Unbewusstseins aktiv nutzen?

Wir können unser Unbewusstsein einsetzen, wenn wir Entscheidungen treffen wollen, die von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig sind. Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer zeigt in einer seiner Folgen "Geist und Gehirn", wie es bei der Entscheidung beim Autokauf zugehen kann. Er berichtet von Versuchen, die zeigen, dass ab bestimmten Informationsmengen das Unbewusste die bessere Entscheidung treffen kann. Die Betonung liegt allerdings auf kann. Wenn Sie unbewusst entscheiden, haben Sie nicht automatisch eine Erfolgsgarantie. Leider.

Wenn Sie Ihr Unbewusstsein aktiv in Entscheidungen einbinden wollen, versuchen Sie folgendes Vorgehen:
  • beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Thema, zu dem eine Entscheidung getroffen werden soll
  • sichten sie alle verfügbaren Fakten
  • visualisieren Sie die Problematik
  • nehmen Sie sich einen oder zwei Pomodoros Zeit für diese Bearbeitung
  • danach legen Sie alles zur Seite und machen Ihren Kopf mittels Ihrer Lieblingsmethode frei: Joggen, Rad fahren, Schwimmen, Meditieren, Tanzen. Machen Sie dabei Ihren Kopf frei, indem Sie nicht an das Thema denken!
Dann fällen Sie die Entscheidung! Horchen einmal kurz in sich hinein, ob die Entscheidung sich gut anfühlt. Und wenn ja, dann sind die Würfel gefallen! Führen Sie Buch darüber, wie gut oder wie schlecht diese Methode bei Ihnen funktioniert. Das hilft Ihnen im Nachhinein zu kontrollieren, wie erfolgreich Sie persönlich mit dieser Methode fahren.

Bildnachweise

SMARTY Ziele

In nahezu jedem Zeit-Management-Seminar wird für das Formulieren von Zielen die SMART-Methode vorgestellt. SMART steht dabei für die Kriterien, die dabei helfen, Ziele eindeutig und überprüfbar zu definieren (siehe Wikipedia-Artikel). Wenn wir unsere Ziele nach der SMART-Methode beschreiben, haben wir tatsächlich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung getan, denn wir legen uns schriftlich in einer Form fest, die unser Ziel konkret und überprüfbar darstellt. Aber was im betrieblichen Umfeld recht gut funktioniert, scheitert häufig in persönlichen Projekten. Denn den SMART-Kriterien fehlt etwas Entscheidendes!

Schlaue Ziele: SMART


SMART steht für folgende Kriterien:
Spezifisch
Wir beschreiben das Ziel präzise. Durch unsere eindeutige Beschreibung wird klar, was wir erreichen wollen. Die Beschreibung lässt keinen Spielraum für Interpretationen.
Messbar
Das Ziel wird durch konkrete Mengen- oder Größenangaben beschrieben. Anhand dieser Zahlen können wir nicht nur erkennen, wann wir das Ziel erfüllt haben. Sie geben uns auch die Möglichkeit, Zwischenstände zu überprüfen.
Angemessen
Das Ziel ist im Vergleich zum Aufwand akzeptabel. Die notwendigen Anstrengungen zur Erreichung des Ziels stehen im Einklang mit unseren anderen Verpflichtungen.
Realistisch
Das Ziel ist grundsätzlich erreichbar. Es handelt sich nicht um ein reines Hirngespinst. Das Ziel passt in unser Umfeld.
Terminiert
Wir legen einen Abschlusstermin fest. Durch diesen Termin können wir den Fortschritt und die Fertigstellung überprüfen.
Diese anerkannte Methode hilft seit Jahrzehnten nicht nur Projektleitern sondern auch uns Selbst-Managern Ziele nicht nur im Auge zu behalten, sondern den Weg zum Ziel und die Zielerreichung überprüfbar zu machen.
Allerdings ist diese Methode, wenn es um die Planung der eigenen, persönlichen Ziele geht, unvollständig. Ich behaupte, dass diese Methode sogar so unvollständig ist, dass der wichtigste Aspekt für den Erfolg unserer persönlichen Projekte fehlt!

Denn es gibt riesige Unterschiede zwischen persönlichen Projekten und Projekten, die im betrieblichen Umfeld durchgeführt werden. Sobald - wie bei betrieblichen Projekten üblich - externe Beteiligte eingebunden sind, entsteht eine besondere Arbeits-Situation: es entstehen Verpflichtungen gegenüber den Projekt-Partnern. Dem Kunden fühle ich mich immer verpflichtet. Wenn ich das Projekt nicht erfolgreich zu Ende führe, wird er verärgert sein. Wahrscheinlich wird er keine weiteren Projekte mit mir durchführen wollen. Wenn ich in einem betrieblichen Projekt meine Aufgaben nicht erledige, dann könnten mein Chef oder meine Kollegen sauer werden. Das ist ebenfalls nicht gut.
Kurz: wann immer ich drohe zu versagen und ich damit die Erfüllung der Projektziele gefährde, gibt es Kräfte, die mich mit meiner Projektarbeit vorantreiben. Mein Chef, meine Kollegen, meine Kunden. Die Verpflichtungen geben mir die Kraft, meine Krise zu meistern. Das Projekt wird durch diese Einflüsse fortgeführt. Ich bleibe bei der Stange und mache weiter.

Schmackhafte Ziele: SMARTY


Doch wie sieht es mit meinen persönlichen Projekten aus? Ob ich etwas Neues lernen möchte, um beruflich voranzukommen oder vorhandene Fähigkeiten verbessern möchte. Ob ich neue Fachgebiete kennen lernen möchte oder vorhandene Kenntnisse vertiefen will. Ich stehe eigenverantwortlich mit meinem Projekt in der Welt. Alleine. Meine Verpflichtung bin ich nur mit mir eingegangen. Niemand ist da, der mich direkt oder indirekt antreibt mein Ziel zu verwirklichen. Und das werde ich nur dann erreichen, wenn ich es auch wirklich möchte! Wenn ich den Weg, den ich eingeschlagen habe, auch bis zum Ende gehen will.
Dieser Aspekt fehlt in der herkömmlichen SMART-Aufstellung. Das Kriterium, dass ich selbst derjenige bin, der überzeugt davon ist, dass ich das Ziel erreichen will. Es fehlt mein unbedingtes, persönliches Ja zum Ziel, zum Projekt.
Yes
Ja, ich will es! Ich möchte es! Ich stehe einhundertprozentig hinter dieser Sache! Es ist meine Sache! Ich will diese Sache realisieren, weil ...

Ein persönliches Projekt werde ich nur dann erfolgreich durchführen können, wenn ich mich persönlich dazu bekenne und wenn ich mich aus Überzeugung an das Projekt binde. Deshalb muss für eigenen Projekte die SMART-Methode erweitert werden: wir wenden die SMARTY-Methode an!
Ohne das "Yes" aus der SMARTY-Methode ist der einzige Antrieb das Projekt durchzuführen Ihre Selbstdisziplin, Ihr persönlicher Ehrgeiz. Das kann funktionieren. Oft tut es das auch. Aber wir alle wissen, dass es mit der Selbstdisziplin nicht jeden Tag so gut bestellt ist, wie man es sich wünscht! Und gerade bei Projekten, die nicht aus rein eigenem Antrieb gestartet werden, droht die Gefahr, dass sie nicht realisiert werden, weil man nicht aus eigener Kraft aus einer Krise kommt, ja, es unbewusst vielleicht auch gar nicht will! Ergänzen Sie also Ihre Projekt-Kriterien um den Punkt, der beschreibt, warum Sie - und nur Sie - gerade dieses Projekt realisieren wollen. Dokumentieren Sie Ihr Yes! Halten Sie schriftlich fest, warum Sie dieses Projekt durchführen, dieses Ziel erreichen wollen!

Die nächste Aktion


Zum Abschluss ein Tipp für Ihre laufenden Projekte. Nehmen Sie sich bei der nächsten Wochendurchsicht Ihre Projektliste und überprüfen Sie jedes einzelne Projekt, ob es das Yes-Kriterium erfüllt. Wenn ja ist alles in Ordnung! Sie werden das Projekt erfolgreich beenden. Das geht fast automatisch, weil jede Faser in Ihnen das Ziel erreichen möchte.
Wenn nicht, oder wenn auch nur Zweifel am Yes auftauchen, gibt es zwei Möglichkeiten:
  • bei leichten Zweifeln: stoppen Sie das Projekt und verschieben Sie es auf Ihre Irgendwann-Liste. Es geht nichts verloren, da Sie Ihre Irgendwann-Liste regelmäßig überprüfen. Machen Sie sich frei von diesem Projekt, das Sie - zur Zeit - nicht wirklich wollen. Es wird Ihnen augenblicklich eine Last von den Schultern genommen.
  • bei starken Zweifeln oder einem inneren Nein zum Projekt: Werfen Sie das Projekt weg. Weit weg! So weit, dass Sie es nicht mehr sehen können! Verfahren Sie nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn! Vernichten oder archivieren Sie sämtliche Aufzeichnungen und überflüssig gewordenes Referenz-Material. Tragen Sie auf Ihre heutige Aufgabenliste ein: "Projekt XXX endgültig begraben. Fertig!"

Wenn Sie künftig Ihre Projekte nach der SMARTY-Methode definieren, dann liegt der Unterschied zur SMART-Methode nicht nur im Hinschreiben eines Y. Durch das Ermitteln Ihrer inneren Zustimmung zum Projekt und durch das schriftliche Fixieren dieser Zustimmung schaffen Sie eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Projekts.
Lauschen Sie immer in sich hinein. Wenn Sie ein gutes Gefühl dabei entdecken, haben Sie schon halb gewonnen.

6 Wunderfragen zum Durchstarten bei einem Hänger

Es gibt sie, die Hänger. Jeder hat es schon erlebt, dass bei der Bearbeitung einer Aufgabe, beim Durchführen einer Tätigkeit plötzlich so eine Art Leerlauf eintritt. Wir ertappen uns dabei, dass wir auf der Stelle treten.
Nun muss es nicht immer sofort die Prokrastination sein, die dort zuschlägt. Es kann sein, dass man einfach nur in einer Sackgasse gelandet ist. Vielleicht braucht man auch einen Moment der Orientierung, um seine Aufgabe weiter zu bearbeiten. Oder man ist ein wenig erschöpft, und sollte eine Pause einlegen, um mit frischer Energie wieder an der Erreichung seiner Ziele arbeiten zu können.

Es ist bereits ein entscheidender Vorteil, dass man sich darüber im Klaren ist, dass man fest steckt. Nun gilt es, sich systematisch aus diesem Produktivitäts-Loch heraus zu holen.
Mit den folgenden 6 Fragen verschafft man sich Klarheit über seine Position. Wie der Seefahrer in alten Tagen mit dem Sextanten seine Position bestimmt hat, um die einzuschlagende Richtung zu ermitteln, sollten auch wir unsere momentane Lage bestimmen, um neu durchzustarten.
Danach ist es fast schon einfach, wieder in Richtung eigene Ziele weiter zu kreuzen.

6 Fragen, um sich auf das Problem zu fokussieren

Im Prinzip helfen, um wieder voran zu kommen, die Fragen weiter, die man sich bei der wöchentlichen Durchsicht zu jedem Projekt selbst so oder so ähnlich fragt:

1. Was will ich?

Diese Frage hilft, das Ziel zu konkretisieren. Wenn wir uns selbst unser Ziel beschreiben, es uns vorstellen, dann wird klarer, wohin wir wollen. Es hilft sehr, sich das erwünschte Ziel so realistisch wie möglich vorzustellen:
  • wie sieht es aus?
  • wie fühlt es sich an?
  • wie riecht es?
  • wie schmeckt es?
  • wie hört es sich an?
  • wie würde ich anderen davon erzählen, wie ich mein Ziel erreicht habe?

2. Was werde ich davon haben?

Unsere Motivation hängt auch davon ab, was wir konkret für einen Gewinn aus der Sache erzielen werden. Mit Gewinn ist nicht der materielle Gewinn gemeint. Dieser kann zwar auch eine Rolle spielen, wichtiger ist aber der persönliche Gewinn aus der Fertigstellung der aktuellen Aktion, des aktuellen Projekts, aus dem Erreichen des Ziels.
Dabei spielen auch Aspekte der persönlichen Entwicklung und Verbesserung eine Rolle. Es berüht die Frage: wie werde ich mich verändern?. Wir sollten uns auch bewußt machen, ob sich eine Verbesserung des eigenen Umfelds ergeben wird. Wie stark hilft es anderen, was ich tue?
Wenn klar wird, dass man durch die Erledigung der Aufgabe für sich und Andere Gutes tut, steigt die Motivation automatisch.

Wenn umgekehrt bei der Beantwortung dieser Frage absolut nichts Positives herauskommt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass man die aktuelle Tätigkeit einfach sein lassen sollte. Warum sollten Sie etwas tun, was weder Ihnen noch Anderen einen Vorteil bringt? Warum kostbare Energie in etwas stecken, dass nichts bringt?

Bei fremdgesteuerten Tätigkeiten, sieht die Sache fast genaus so aus. Wenn Sie etwas für Ihren Chef, für Ihr Unternehmen tun, dann ist der eigene Gewinn oft eher indirekter Natur. Durch Ihre Tätigkeit binden Sie vielleicht einen Kunden enger an Ihr Unternehmen. Das wiederum kommt Ihnen dann mittel- und langffristig zu Gute.

Egal wo dieser Gewinn liegt, machen Sie ihn sich bewußt! Ohne konkrete Aussicht auf einen Gewinn wird es Ihnen unnötig schwer fallen, sich zur Bearbeitung der anstehenden Aufgabe zu motivieren.

3. Was hindert mich?

Die Beschäftigung mit dieser Frage führt manchmal zu einem Aha-Erlebnis. Wenn Sie beginnen, über das nachzudenken, was Sie daran hindert, die aktuelle Aufgabe zu erledigen, dann identifizieren Sie automatisch Störungen. Oft sind es unbewußte Störungen: eine andere unerledigte Aufgabe, ein unpassender Termin, Unsicherheiten wegen fehlender Informationen.
Egal was Sie herausfinden werden, eliminieren Sie es! Was immer Sie stört, gehört aus dem Weg geschafft! Wenn es die unerledigte Aufgabe ist, planen Sie deren Erledigung, damit der Drang sich damit zu beschäftigen nachlässt. Reicht das nicht, dann müssen Sie die andere Aufgabe vielleicht vorziehen und sofort erledigen. Probieren Sie aus was funktioniert.

Wenn es ein Termin ist, prüfen Sie, ob er sich verschieben lässt. Wenn nicht, versuchen Sie, das Positive aus diesem Termin zu ziehen. Ist es der Abgabetermin für Ihre Aufgabe, sagen Sie sich: "Prima, dann bin ich endlich fertig!" Ist es ein anderer Termin, dann machen Sie sich den Nutzen des erwarteten Ergebnisses dieses Termins bewußt. Dieses Ergebnis sollte ebenfalls etwas Positives sein und Ihnen zu Gute kommen. Wenn Sie absolut überhaupt nichts Positives aus dem störenden Termin ziehen können, dann sagen Sie ihn ab. Würden Sie Nachteile durch diese Absage erfahren, dann haben sie damit das "Positive" des Termins gefunden. Fügen Sie sich mit einem Schulterzucken und wenden Sie sich wieder Ihrer aktuellen, wichtigeren Aufgabe zu. Manchmal gibt es Situationen, die sind einfach unausweichlich. Es ist nutzlose Energieverschwendung mit diesen Unausweichlichkeiten zu hadern. Sehen Sie solche Situationen als einen Grund mehr an, sich um so intensiver mit den eigenen, wichtigen, schönen Aufgaben zu beschäftigen!

4. Was ist mir wichtig an dieser Tätigkeit?

Sie haben oben schon beantwortet, was Sie davon haben werden, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben. Hier wird jetzt herausgearbeitet, welche Details bei der Erledigung der aktuellen Aufgabe Ihrer Aumerksamkeit bedürfen. Das hilft Ihnen, einen Großteil Ihrer Energie in die wirklich wichtigen Aspekte Ihrer Aufgabe zu stecken. Ihre Energie ist kostbar und begrenzt. Verschwenden Sie sie nicht nach dem Gieskannen-Prinzip. Eine bessere Effizienz erreichen Sie, wenn Sie sich gezielt auf die Teile der Aufgabe konzentrieren, die Ihnen den größten Nutzen bringen. Untersuchen Sie hier insbesondere auch die Möglichkeit, Teilaufgaben delegieren zu können und sich selbst um die wichtigen Komponenten zu kümmern.

5. Was funktioniert gut?

Mit dieser Frage ermitteln Sie die Beschleuniger, die Sie für Ihre Aufgabe ausnutzen können. Das können Strategien sein, die in der Vergangenheit bereits erfolgreich funktioniert haben. Es können Gewohnheiten und Routinen sein, die Sie ohne großen Aufwand anwenden können und die bei der Erledigung der aktuellen Aufgabe von Nutzen sein können. Das können andere Menschen sein, die Ihnen gerne hilfreich bei Seite stehen würden. Sei es dadurch, dass Sie an diese Menschen Teilaufgaben delegieren können, Gedanken austauschen oder einfach, dass mit gemeinsamer Arbeitskraft das doppelte Pensum geschafft wird. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und schöpfen Sie aus Ihren Erfahrungen.

6. Was könnte besser laufen?

Nach der Beantwortung der ersten 5 Fragen fällt es Ihnen in der Regel nicht schwer zu erkennen, was besser laufen könnte. Notieren Sie sich die Erkenntnisse und setzen Sie sie um. Brauchen Sie mehr Manpower? Holen Sie sich Kollegen oder Partner. Brauchen Sie mehr Input? Holen Sie sich die fehlende Inspiration oder die fehlende Information. War es nur das verlorene Ziel? Dann schreiben Sie es sich auf, damit Sie bei der nächsten Krise schneller wieder auf Kurs gehen können!

Fazit

Es ist völlig normal, dass wir mit unseren Tätigkeiten nicht immer im Fluss sind. Es ist völlig normal, dass man Verschnaufpausen braucht, dass man auch einmal auf der Stelle tritt. Dafür sind wir alle Menschen und keine Maschinen.

Seine Aufgaben dennoch zu erledigen, das macht den Unterschied zwischen Erfolg und Mißerfolg aus.












Große Brocken schaffen

Oft scheint der schiere Umfang einer Aufgabe dazu zu führen, dass ihre Bewältigung unrealistisch erscheint. Auf der operativen Ebene hilft hier manchmal eine Timeboxing-Technik wie die Pomodoro-Technik, um diesen Riesenbrocken in verdauliche Häppchen zu unterteilen. Dennoch muss erst einmal mit dem ersten Pomodoro der Aufgabe begonnen werden. Wenn man das geschafft hat, dann gilt es, dass am nächsten Tag erneut an dieser Aufgabe gearbeitet wird, und danach wieder und wieder. Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Jeden Tag!
Aber was ist zu tun, wenn am nächsten Tag die Motivation die Aufgabe in Angriff zu nehmen einfach fehlt?

Eine Möglichkeit besteht darin, eine Seinfeld-Kette zu erzeugen. Diese Motivationsmethode wird Jerry Seinfeld zugeschrieben, der damit beschrieb, wie er sich motivierte, jeden Tag an seiner Karriere zu arbeiten. Gerade bei solch großen Aufgaben, bei denen das Ziel erst in ferner Zukunft liegt, ist regelmäßige Selbst-Motivation ein entscheidender Erfolgsfaktor! Wie funktioniert die Seinfeld-Kette? Man benötigt einen Kalender. Seinfeld hat einen Wandkalender genutzt, den er gut sichtbar aufhängte. Außerdem benutzte er einen dicken roten Marker, um die Tage auszustreichen, an denen er seiner Meinung nach erfolgreich an seiner großen Aufgabe gearbeitet hat. So markierte er den ersten Tag, den zweiten, den dritten...



Durch das Ausstreichen der Tage bildete sich auf dem Kalender ein geometrisches Muster. Auf seinem Jahreskalender war es eine Linie. Irgendwann kam auch bei ihm der Tag, den jeder von uns fürchtet: der Tag, an dem ihm die Lust fehlte.
Diesen Tag kennen wir alle. Es ist der Tag, an dem auch das noch so gute Zureden im Selbstgespräch nicht dazu führt, dass man beginnt, an seiner wichtigsten Aufgabe zu arbeiten. Der Tag, an dem die gefürchtete Prokrastination zuschlägt. Der Tag, an dem unser Unterbewusstes uns anschreit: "Ich will das jetzt nicht. Lass es uns morgen oder vielleicht nächste Woche machen!"

Mit Hilfe der Seinfeld-Kette hat unser Unterbewusstsein allerdings einen Gegensprecher: unser Gefühl für Ästhetik! Es sagt uns, dass eine Linie ist nur dann eine schöne Linie ist, wenn sie nicht unterbrochen wird. Sonst wäre es nur eine unordentliche, beliebig zerstückelte Strecke.
Im Konflikt mit uns selbst, bei dem Versuch uns zu motivieren, spielt plötzlich eine weitere Meinung eine Rolle: etwas in uns möchte gerne, dass die Linie ohne Unterbrechung fortgeführt wird.

Mit diesem Fürsprecher steigt die Chance, dass wir genug Energie finden, auch den heutigen Pomodoro zu starten (oder zwei, oder drei), um unser großes Ziel zu erreichen!