SMARTY Ziele

In nahezu jedem Zeit-Management-Seminar wird für das Formulieren von Zielen die SMART-Methode vorgestellt. SMART steht dabei für die Kriterien, die dabei helfen, Ziele eindeutig und überprüfbar zu definieren (siehe Wikipedia-Artikel). Wenn wir unsere Ziele nach der SMART-Methode beschreiben, haben wir tatsächlich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung getan, denn wir legen uns schriftlich in einer Form fest, die unser Ziel konkret und überprüfbar darstellt. Aber was im betrieblichen Umfeld recht gut funktioniert, scheitert häufig in persönlichen Projekten. Denn den SMART-Kriterien fehlt etwas Entscheidendes!

Schlaue Ziele: SMART


SMART steht für folgende Kriterien:
Spezifisch
Wir beschreiben das Ziel präzise. Durch unsere eindeutige Beschreibung wird klar, was wir erreichen wollen. Die Beschreibung lässt keinen Spielraum für Interpretationen.
Messbar
Das Ziel wird durch konkrete Mengen- oder Größenangaben beschrieben. Anhand dieser Zahlen können wir nicht nur erkennen, wann wir das Ziel erfüllt haben. Sie geben uns auch die Möglichkeit, Zwischenstände zu überprüfen.
Angemessen
Das Ziel ist im Vergleich zum Aufwand akzeptabel. Die notwendigen Anstrengungen zur Erreichung des Ziels stehen im Einklang mit unseren anderen Verpflichtungen.
Realistisch
Das Ziel ist grundsätzlich erreichbar. Es handelt sich nicht um ein reines Hirngespinst. Das Ziel passt in unser Umfeld.
Terminiert
Wir legen einen Abschlusstermin fest. Durch diesen Termin können wir den Fortschritt und die Fertigstellung überprüfen.
Diese anerkannte Methode hilft seit Jahrzehnten nicht nur Projektleitern sondern auch uns Selbst-Managern Ziele nicht nur im Auge zu behalten, sondern den Weg zum Ziel und die Zielerreichung überprüfbar zu machen.
Allerdings ist diese Methode, wenn es um die Planung der eigenen, persönlichen Ziele geht, unvollständig. Ich behaupte, dass diese Methode sogar so unvollständig ist, dass der wichtigste Aspekt für den Erfolg unserer persönlichen Projekte fehlt!

Denn es gibt riesige Unterschiede zwischen persönlichen Projekten und Projekten, die im betrieblichen Umfeld durchgeführt werden. Sobald - wie bei betrieblichen Projekten üblich - externe Beteiligte eingebunden sind, entsteht eine besondere Arbeits-Situation: es entstehen Verpflichtungen gegenüber den Projekt-Partnern. Dem Kunden fühle ich mich immer verpflichtet. Wenn ich das Projekt nicht erfolgreich zu Ende führe, wird er verärgert sein. Wahrscheinlich wird er keine weiteren Projekte mit mir durchführen wollen. Wenn ich in einem betrieblichen Projekt meine Aufgaben nicht erledige, dann könnten mein Chef oder meine Kollegen sauer werden. Das ist ebenfalls nicht gut.
Kurz: wann immer ich drohe zu versagen und ich damit die Erfüllung der Projektziele gefährde, gibt es Kräfte, die mich mit meiner Projektarbeit vorantreiben. Mein Chef, meine Kollegen, meine Kunden. Die Verpflichtungen geben mir die Kraft, meine Krise zu meistern. Das Projekt wird durch diese Einflüsse fortgeführt. Ich bleibe bei der Stange und mache weiter.

Schmackhafte Ziele: SMARTY


Doch wie sieht es mit meinen persönlichen Projekten aus? Ob ich etwas Neues lernen möchte, um beruflich voranzukommen oder vorhandene Fähigkeiten verbessern möchte. Ob ich neue Fachgebiete kennen lernen möchte oder vorhandene Kenntnisse vertiefen will. Ich stehe eigenverantwortlich mit meinem Projekt in der Welt. Alleine. Meine Verpflichtung bin ich nur mit mir eingegangen. Niemand ist da, der mich direkt oder indirekt antreibt mein Ziel zu verwirklichen. Und das werde ich nur dann erreichen, wenn ich es auch wirklich möchte! Wenn ich den Weg, den ich eingeschlagen habe, auch bis zum Ende gehen will.
Dieser Aspekt fehlt in der herkömmlichen SMART-Aufstellung. Das Kriterium, dass ich selbst derjenige bin, der überzeugt davon ist, dass ich das Ziel erreichen will. Es fehlt mein unbedingtes, persönliches Ja zum Ziel, zum Projekt.
Yes
Ja, ich will es! Ich möchte es! Ich stehe einhundertprozentig hinter dieser Sache! Es ist meine Sache! Ich will diese Sache realisieren, weil ...

Ein persönliches Projekt werde ich nur dann erfolgreich durchführen können, wenn ich mich persönlich dazu bekenne und wenn ich mich aus Überzeugung an das Projekt binde. Deshalb muss für eigenen Projekte die SMART-Methode erweitert werden: wir wenden die SMARTY-Methode an!
Ohne das "Yes" aus der SMARTY-Methode ist der einzige Antrieb das Projekt durchzuführen Ihre Selbstdisziplin, Ihr persönlicher Ehrgeiz. Das kann funktionieren. Oft tut es das auch. Aber wir alle wissen, dass es mit der Selbstdisziplin nicht jeden Tag so gut bestellt ist, wie man es sich wünscht! Und gerade bei Projekten, die nicht aus rein eigenem Antrieb gestartet werden, droht die Gefahr, dass sie nicht realisiert werden, weil man nicht aus eigener Kraft aus einer Krise kommt, ja, es unbewusst vielleicht auch gar nicht will! Ergänzen Sie also Ihre Projekt-Kriterien um den Punkt, der beschreibt, warum Sie - und nur Sie - gerade dieses Projekt realisieren wollen. Dokumentieren Sie Ihr Yes! Halten Sie schriftlich fest, warum Sie dieses Projekt durchführen, dieses Ziel erreichen wollen!

Die nächste Aktion


Zum Abschluss ein Tipp für Ihre laufenden Projekte. Nehmen Sie sich bei der nächsten Wochendurchsicht Ihre Projektliste und überprüfen Sie jedes einzelne Projekt, ob es das Yes-Kriterium erfüllt. Wenn ja ist alles in Ordnung! Sie werden das Projekt erfolgreich beenden. Das geht fast automatisch, weil jede Faser in Ihnen das Ziel erreichen möchte.
Wenn nicht, oder wenn auch nur Zweifel am Yes auftauchen, gibt es zwei Möglichkeiten:
  • bei leichten Zweifeln: stoppen Sie das Projekt und verschieben Sie es auf Ihre Irgendwann-Liste. Es geht nichts verloren, da Sie Ihre Irgendwann-Liste regelmäßig überprüfen. Machen Sie sich frei von diesem Projekt, das Sie - zur Zeit - nicht wirklich wollen. Es wird Ihnen augenblicklich eine Last von den Schultern genommen.
  • bei starken Zweifeln oder einem inneren Nein zum Projekt: Werfen Sie das Projekt weg. Weit weg! So weit, dass Sie es nicht mehr sehen können! Verfahren Sie nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn! Vernichten oder archivieren Sie sämtliche Aufzeichnungen und überflüssig gewordenes Referenz-Material. Tragen Sie auf Ihre heutige Aufgabenliste ein: "Projekt XXX endgültig begraben. Fertig!"

Wenn Sie künftig Ihre Projekte nach der SMARTY-Methode definieren, dann liegt der Unterschied zur SMART-Methode nicht nur im Hinschreiben eines Y. Durch das Ermitteln Ihrer inneren Zustimmung zum Projekt und durch das schriftliche Fixieren dieser Zustimmung schaffen Sie eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Projekts.
Lauschen Sie immer in sich hinein. Wenn Sie ein gutes Gefühl dabei entdecken, haben Sie schon halb gewonnen.