Wie magisches Denken Sie begleitet
2010-07-01 08:35 - Gespeichert in: Gehirn
Na? Hat die Ampel vor Ihnen heute wieder auf Rot umgeschaltet, als Sie sich mit dem Wagen näherten? Macht sie das nicht fast immer? Immer dann, wenn Sie ankommen!
Sind Sie auch mal ein wenig spät zu einem Termin unterwegs gewesen, und ausgerechnet dann kreuzten sämtliche autofahrende Schnarchoiden Ihren Weg und bremsten Sie aus? Wobei natürlich auch noch mehr Ampeln als sonst auf rot umsprangen!
Haben Sie schon einmal versucht, mit einer Holland-Fahne in den Händen für Deutschland zu jubeln? Wie, das geht nicht? Das geht gar nicht?
Haben Sie gestern im Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung die Prognosen für den heutigen Aktienmarkt gelesen? Und haben Sie heute gelesen, warum es hier und da dann doch anders gekommen ist? Und lesen Sie danach fleißig die Prognosen für den morgigen Aktienmarkt?
Diese Nebenwirkung tritt durch eine der großartigsten Stärken unseres Gehirns auf. Es ist die unglaublich leistungsfähige Mustererkennung und -verarbeitung unseres Gehirns. Durch diese Fähigkeiten finden wir uns nicht nur in der optischen, akustischen, taktilen und olfaktorischen Welt zurecht. Nein, unser Gehirn nutzt die Mustererkennung auch, um automatisch Regeln zu produzieren und anzuwenden. Meistens für die Planung von Aktionen und künftigen Verhaltens. Bei korrekt erkannten Regeln ist das auch gut so. Merkwürdig verhalten wir uns allerdings immer dann, wenn unser Gehirn nicht genug Informationen über eine Sache erhält und trotzdem Regeln entwirft.
Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Spielbank an den Roulette-Tisch, setzen gleich als erstes auf die 17 und gewinnen. Beim nächsten Spielbank Besuch setzen sie wieder als erstes auf die 17 und gewinnen wieder. Ein reiner Zufall, der aber durchaus passieren kann. Frage: wie werden Sie sich verhalten, wenn Sie die Spielbank ein nächstes mal besuchen? Werden Sie nichts setzen? Werden Sie eine beliebige Zahl setzen? Ihr Gehirn hat, unterstützt vom Glückserlebnis zweier unerwarteter Gewinne, eine Gewinnregel entwickelt. Höchstwahrscheinlich wird Sie ein starker Drang dazu bringen, wieder auf die 17 zu setzen, obwohl die vernünftige Stimme in Ihnen sagt: "Das war letztens doch nur Zufall!". Magisches Denken.
Wo wir gerade bei Gold sind, fällt mir ein: haben Sie in Zeiten der Finanzkrise zur Absicherung auch in Gold investiert? Haben Sie sich dabei den Goldbarren aushändigen lassen und in Ihren Schrank gelegt oder hat Ihnen der Banker ein Zertifikat aus Papier gegeben? Schauen Sie mal nach! Falls Sie keinen echten Goldbarren im Schrank liegen haben, dann sollten Sie den vorherigen Absatz über die an Magie glaubenden Auftraggeber der Alchemisten noch einmal in Ruhe durchlesen. Hier noch ein kleiner Hinweis von mir: ein Stück Papier ist kein echtes Gold.
Es tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen, aber Sie werden recht dumm aus der Wäsche schauen, wenn alle Zertifikats-Besitzer ihr Gold wirklich haben wollen, um es in den Schrank zu legen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie so einfach an einen echten Goldbarren kommen werden. Aber wir wollen dem Banker natürlich gerne glauben, dass er Ihr teuer gekauftes Stück buntes Papier jederzeit in echtes Gold verwandeln kann. Magisches Denken.
Zum Abschluss noch ein Link auf einen schönen, englisch-sprachigen TED-Talk von James Randi über sogenannte Magier und den unbegründeten Glauben an Dinge.
Sind Sie auch mal ein wenig spät zu einem Termin unterwegs gewesen, und ausgerechnet dann kreuzten sämtliche autofahrende Schnarchoiden Ihren Weg und bremsten Sie aus? Wobei natürlich auch noch mehr Ampeln als sonst auf rot umsprangen!
Haben Sie schon einmal versucht, mit einer Holland-Fahne in den Händen für Deutschland zu jubeln? Wie, das geht nicht? Das geht gar nicht?
Haben Sie gestern im Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung die Prognosen für den heutigen Aktienmarkt gelesen? Und haben Sie heute gelesen, warum es hier und da dann doch anders gekommen ist? Und lesen Sie danach fleißig die Prognosen für den morgigen Aktienmarkt?
Risiken und Nebenwirkungen...
Eine der schlimmsten Nebenwirkungen der Arbeitsweise unseres Gehirns ist, wie Thomas Grüter es in seinem Buch nennt, magisches Denken.Diese Nebenwirkung tritt durch eine der großartigsten Stärken unseres Gehirns auf. Es ist die unglaublich leistungsfähige Mustererkennung und -verarbeitung unseres Gehirns. Durch diese Fähigkeiten finden wir uns nicht nur in der optischen, akustischen, taktilen und olfaktorischen Welt zurecht. Nein, unser Gehirn nutzt die Mustererkennung auch, um automatisch Regeln zu produzieren und anzuwenden. Meistens für die Planung von Aktionen und künftigen Verhaltens. Bei korrekt erkannten Regeln ist das auch gut so. Merkwürdig verhalten wir uns allerdings immer dann, wenn unser Gehirn nicht genug Informationen über eine Sache erhält und trotzdem Regeln entwirft.
Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Spielbank an den Roulette-Tisch, setzen gleich als erstes auf die 17 und gewinnen. Beim nächsten Spielbank Besuch setzen sie wieder als erstes auf die 17 und gewinnen wieder. Ein reiner Zufall, der aber durchaus passieren kann. Frage: wie werden Sie sich verhalten, wenn Sie die Spielbank ein nächstes mal besuchen? Werden Sie nichts setzen? Werden Sie eine beliebige Zahl setzen? Ihr Gehirn hat, unterstützt vom Glückserlebnis zweier unerwarteter Gewinne, eine Gewinnregel entwickelt. Höchstwahrscheinlich wird Sie ein starker Drang dazu bringen, wieder auf die 17 zu setzen, obwohl die vernünftige Stimme in Ihnen sagt: "Das war letztens doch nur Zufall!". Magisches Denken.
Wie man Gold macht
Wenn ich das Wort "Magie" höre, denke ich an Harry Potter, an Zauberer, Hexen und Alchemisten. Alchemisten waren Menschen, die potenten Geldgebern versprachen aus wertlosen Stoffen reines Gold zu machen. Man munkelt, dass die Alchemisten sogar selbst daran glaubten, so etwas hin zu bekokmmen. Wir modernen Menschen wissen, wie diese Geschichte ausgegangen ist und können darüber heute nur lachen: Die Geldgeber wurden immer ärmer und die Alchemisten konnten dem Auftraggeber natürlich kein Gold aushändigen. Einfach lächerlich, diese unaufgeklärten, dummen, mittelalterlichen Menschen!Wo wir gerade bei Gold sind, fällt mir ein: haben Sie in Zeiten der Finanzkrise zur Absicherung auch in Gold investiert? Haben Sie sich dabei den Goldbarren aushändigen lassen und in Ihren Schrank gelegt oder hat Ihnen der Banker ein Zertifikat aus Papier gegeben? Schauen Sie mal nach! Falls Sie keinen echten Goldbarren im Schrank liegen haben, dann sollten Sie den vorherigen Absatz über die an Magie glaubenden Auftraggeber der Alchemisten noch einmal in Ruhe durchlesen. Hier noch ein kleiner Hinweis von mir: ein Stück Papier ist kein echtes Gold.
Es tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen, aber Sie werden recht dumm aus der Wäsche schauen, wenn alle Zertifikats-Besitzer ihr Gold wirklich haben wollen, um es in den Schrank zu legen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie so einfach an einen echten Goldbarren kommen werden. Aber wir wollen dem Banker natürlich gerne glauben, dass er Ihr teuer gekauftes Stück buntes Papier jederzeit in echtes Gold verwandeln kann. Magisches Denken.
Was machen wir damit?
Magisches Denken ist in uns. Es ist Teil des Menschseins. Ob sich magisches Denken in Religion, im Glauben an bestimmte Heilverfahren, durch Ufologie, in den Prognosen der Aktienmärkte oder beim Autofahren manifestiert. Es ist nur die individuelle Ausprägung dieser Nebenwirkung der Arbeitsweise unseres Gehirns. Eine Holland-Fahne ist nüchtern betrachtet nur bunt bedruckter Stoff, der sich sehr wohl zum Jubeln und Winken eignen kann. Aber wir interpretieren Dinge hinein. Magie kann uns stärken und schwächen. Sie kann gut für uns sein und sie kann schlecht für uns sein. Wenn wir wissen, dass wir recht oft magisch denken, haben wir die Wahl der Magie zu folgen, oder uns schmunzelnd anderen, wichtigeren Dingen zuzuwenden.Zum Abschluss noch ein Link auf einen schönen, englisch-sprachigen TED-Talk von James Randi über sogenannte Magier und den unbegründeten Glauben an Dinge.
