Gastbeitrag: Die Psychologie der Pünktlichkeit

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Ich freue mich sehr darüber Ihnen einen Gastbeitrag der Diplom Psychologin Galina Dedova präsentieren zu können. Es geht um Zeit, Pünktlichkeit, Unpünktlichkeit und was das alles mit unserer Persönlichkeit zu tun haben könnte.
Galina Dedova bietet hauptsächlich Kurzzeitberatung und Coaching mit den Schwerpunkten zwischenmenschliche Konflikte, belastende Gewohnheiten sowie Umgang mit Leistung an. Außerdem arbeitet sie als Coach unter anderem in den Bereichen Zeitmanagement und Leistungssteigerung.
Viel Spaß bei der Lektüre, die nicht nur die Hintergründe unseres Zeitempfindens beleuchtet, sondern auch Lösungsansätze aufzeigt.

Sind Sie schon pünktlich oder schleppen Sie sich noch hinter sich her?


Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt.
Der andere packt sie an und handelt.

Dante Alighiere

Wir alle sind mit den wunderbaren Mechanismen des Zeitempfindens ausgerüstet. Das „mentale Timing“ entsteht im komplexen Zusammenspiel von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis, so die Neurowissenschaftler. Es gibt im eigentlichen Sinne keine Zeitwahrnehmung, nur die Wahrnehmung in der Zeit, wenn man ganz korrekt bleiben möchte.
Jeder gesunder Mensch verfügt über die Fähigkeit, sich in der Zeit gut orientieren zu können. Diese Fähigkeit kann man dennoch sehr unterschiedlich nutzen. Wir können uns in der Zeit souverän fühlen und souverän bewegen, in diesem Fall erleben wir die Zeit viel weiträumiger. Wenn man sich für eine Handlung so viel Zeit nimmt, wie man braucht, wird auch die Tiefe der Zeit spürbar, was die Zeitempfindung dehnt. In so einem Zeitrahmen, den wir uns wohlgemerkt selbst einräumen, befinden wir uns gleichzeitig in einem sogenannten Ressourcenzustand. Das heißt, wir haben einen guten Zugang genau zu den kognitiven und motorischen Fähigkeiten, die wir gerade brauchen.

Stress


Eine weitere Variante, sich in der Zeit zu orientieren, ist jedem bekannt- sich unter Stress setzen, sich Druck zu erzeugen. Für eine Zeitorientierung, deren Rahmen auf Stress und Druck ausgerichtet ist, braucht man keinen Zeitmangel. Allein die Einstellung- „ich habe keine Zeit“- reicht schon. Wir sind nicht gestresst, weil wir keine Zeit haben. Sondern wir haben keine Zeit, weil wir gestresst sind. Stress hemmt gerade diejenigen Netzwerke im Gehirn, die unser Handeln organisieren.

Zu spät kommen


Die chronischen „Zuspätkommer“ sind genauso in der Zeitorientierung talentiert wir die Pünktlichen, denn sie kommen regelmäßig pünktlich- unpünktlich, was eine gute Vorbereitung braucht. So liegt die Vermutung nahe, dass die „Chaoten“ sich rechtzeitig auf das Zuspätkommen orientieren.

In jeder Berufsgruppe, in jedem Kulturkreis, in jeder Altersgruppe, sowohl unter Männer als auch unter Frauen trifft man mehr oder weniger auf die ständig Unpünktlichen. Außer, dass all die Aufmerksamkeit einen Augenblick dem Verspäteten gehört, sind die Konsequenzen des Zuspätkommens meistens recht unangenehm.
Wenn eine Verspätung mal passiert und der Grund dafür bewusst greifbar ist, lässt sich das Verhalten das nächste Mal sehr leicht bewusst korrigieren, einfach dadurch, dass man sich rechtzeitig auf die richtige Zeit orientiert.

Bei der ständigen Wiederholung der scheinbar unabsichtlichen Verspätung zeigt sich nicht selten, dass es ein „unbewusster Teil“ ist, der die Pünktlichkeit sabotiert.

Das Unbewusste


Erinnern Sie sich, wie Sie zu einem lang erwünschten Date gehen:
Der Körper fühlt sich leicht und beweglich an. Die Geschwindigkeit gleicht fast der beim Fliegen. Beschwingten Fußes eilen Sie dahin. Die Beine tragen einen ganz von selbst, von Müdigkeit ist keine Spur. Ihr ganzes Wesen bewegt sich zu dem Ziel hin. Sie sind bewusst und unbewusst dabei.

Und jetzt erinnern Sie sich daran, wie sich der Körper sperrt, wenn Sie einen Termin wahrnehmen müssen, ohne es wirklich zu wollen:
Der Körper fühlt sich wie eingemauert an. Jeder Schritt ist wie ein Kampf gegen sich. Sie fühlen sich entkräftet, müde und beginnen Ärger zu spüren. Hier wehrt sich das „Unbewusste“ mit der körperlichen und emotionalen Reaktion gegen die bewusste Entscheidung, diesen Termin wahrzunehmen. Dieser „unbewusste Teil“ kann verschiedene Ziele verfolgen, die sehr individuell sein können.

Dennoch haben wir alle eine Menge an Pflichten und ungeliebten Aufgaben, die rechtzeitig erledigt werden müssen.

Lösungsmöglichkeiten


Wie kriegt man das nun hin, „das Unbewusste“ für die nötige Aufgabe umzustimmen, so dass Es mitmacht, so dass Sie die Energie für sich zur Verfügung haben, anstatt sie gegen sich selbst zu richten.

Fragen Sie sich nach dem übergeordnetem Ziel: Was bringt es mir persönlich, die Aufgabe rechtzeitig zu erledigen? Wie viel Selbstbestimmung liegt in der Entscheidung, die Aufgabe ernst zu nehmen und sich auf sie einzulassen?

Wie viel Selbstbestimmung in Ihrem Leben erleben Sie insgesamt?
Einer der möglichen Gründe für das trotzige Zuspätkommen ist, dass man durch die Verspätung scheinbar freien Raum gewinnt, der in anderen Bereichen des Lebens fehlt. In der Realität beraubt man sich dadurch regelrecht um diesen Freiraum.

Trauen Sie sich, dieses für sich zu klären. Es lohnt sich. Sie ersparen sich eine Menge an Schuldgefühlen, Ärger, den Sie verständlicher Weise von den Wartenden bekommen. Sie schaffen viel Platz für die Dinge, die Sie wirklich wollen, die Ihnen Energie schenken.

Achtsam mit sich sein


Wenn Sie es lernen, bei sich zu bleiben und zu sich zu stehen, entwickeln Sie automatisch die Fähigkeit, Alltagsreize so zu differenzieren, dass Ihre Aufmerksamkeit das Wesentliche für Sie auswählt. Die Menschen bewegen sich dahin, wohin sie ihre Aufmerksamkeit hinrichten.
Hierzu eine kleine Geschichte:
Wie ist der Zustand der Erleuchtung“, fragten die Schüler den Zenmeister.
Wenn ich sitze, sitze ich. Wenn ich stehe, stehe ich, wenn ich gehe, gehe ich und wenn ich schlafe, schlafe ich.“ lautet die Antwort.
Aber ist es nicht das, was wir ebenfalls tun?“ fragen die Schüler.
„Keinesfalls“, spricht der Meister, „denn wenn ihr sitzt, denkt ihr daran, euch zu erheben, und wenn ihr steht, könnt ihr es nicht abwarten, loszugehen. Geht ihr aber, so beeilt ihr euch, so schnell wie möglich am Ziel zu sein. Und legt ihr euch zu Ruhe, seid ihr voll mit euren Gedanken.

Auf welcher Art und Weise Sie bei der Arbeit der Zeit entgegen kommen, hängt vor allem davon ab, wie Sie Ihre Zeit nach der Arbeit verbringen. Durch körperliche Betätigung erreichen Sie ein gutes Körpergefühl. Es gibt nur eine Voraussetzung: machen Sie es gerne. Die frische Luft schenkt Ihnen einen klaren Kopf, wenn Sie für einen Augenblick die To- do- Liste vergessen. Einfach die Frische der Luft und die Weite des Himmels genießen. Nehmen Sie sich die Zeit für Ihre Lieblingsmusik, schließen Sie die Augen und tauchen Sie in die Melodie ein. Die Musik aktiviert den kreativen Teil des Gehirns, durch die Musik werden Sie offener für das Neue, sie erzeugt in Ihnen gute Ideen. Und wenn Sie mit einem klaren Kopf, leichten Herzens und einem aufrichtigen Körper sich in der Zeit bewegen, dann beginnt auch die Zeit, sich Ihnen von ihrer besten Seiten zu zeigen.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Zeit und viele tiefe Augenblicke, die ihr Leben erfüllen.

©Galina Dedova www.dedova.de

Die Wissens-Illusion

Die Wissens-Illusion ist das Gefühl mehr zu wissen, als man tatsächlich weiß. Und wir alle leiden darunter. Auch Sie haben Wissen, dass Sie umfassender einschätzen, als es wirklich ist. Einige von Ihnen, werte Leser, werden vielleicht schon ins Schleudern kommen, wenn ich Sie bitte zu erklären, warum der Himmel blau ist. Wissen Sie, warum der Himmel blau ist?

himmelsblau

Vielleicht lehnen Sie sich beim Lesen dieser Frage auch zurück, haben die Antwort parat und denken sich: "Die anderen müssen vielleicht raten. Ich leide jedenfalls nicht unter der Wissens-Illusion!"

Okay, machen wir der Illusion ein Ende! Wissen Sie wie die Vorderseite einer 1 Cent Euro-Münze aussieht?

Nehmen Sie sich doch bitte jetzt einen Stift und skizzieren Sie die Vorderseite einer 1 Cent Münze. Mit so vielen Details wie möglich. Lassen Sie sich Zeit. Die Zeichnung muss nicht schön sein. Malen erst einen einfachen Kreis, dann die Ziffer, also die Eins. Danach die anderen Gestaltungselemente, die Ihnen einfallen. Sind Sie fertig? Haben Sie an alle Elemente auf der Vorderseite der Münze gedacht?
Jetzt dürfen Sie nachschauen, wie viel Sie von dem Geld wussten, mit dem Sie nahezu täglich zu tun haben!

Hilfreich und tückisch


Die Wissens-Illusion kann hilfreich, aber auch tückisch sein. Hilfreich ist sie immer dann, wenn wir sie - natürlich unbewusst - nutzen, um uns die Welt zu erklären. Statt unsere Zeit mit Details zu verschwenden gibt uns ein Teil unseres Gehirns das Gefühl, genug zu wissen, um ein korrektes Abbild der Welt zu bilden. Fehlendes Wissen wird von ihm ignoriert, vorhandenes dafür überbewertet.

Kommen wir noch einmal auf den blauen Himmel zu sprechen. Haben Sie eine Antwort auf die Frage, warum er blau ist?
Der blaue Himmel hat etwas mit der Brechung des Sonnenlichts zu tun. Klar. Da war auch etwas mit dem Spektrum und Lichtbrechung. Prisma ist auch so ein Wort, das einem dabei vielleicht einfällt.

Aber wieso nutzt die Natur von den Spektralfarben ausgerechnet das Blau für den Himmel und nicht Rot oder Violett? Und wieso ist er abends und morgens oft rot?

Haben Sie sich eine Antwort gegeben? Wenn in Ihrer Antwort Begriffe wie Rayleigh-Streuung, Ozon, Stickstoff und Sauerstoff, Dipol, Polarisation, Compton-Streuung und Wellenlänge vorkamen, dann war sie wahrscheinlich schon ziemlich gut. Wenn auch nur einer dieser Begriffe in Ihrer Antwort nicht vorkam, war sie unvollständig. Sie sind der Wissensillusion erlegen. Das ist aber nicht schlimm, denn das passiert jedem Gehirn.

(Wenn Sie über das Himmelsblau lesen möchten, schauen Sie in der Wikipedia nach und auch gerne hier http://theory.gsi.de/~vanhees/faq/blau/ )

Wissens-Illusion und unsere Entscheidungen


Nachteilig und damit manchmal fatal wird die Wissens-Illusion immer dann, wenn wir wegen ihr falsche Entscheidungen treffen oder nicht genau genug hinschauen um Sachverhalte zu erkennen. Immer dann, wenn wir unsere nächsten Schritte im Leben planen, tun wir das auf der Basis unseres aktuellen vermeintlichen Kenntnisstands. Wenn wir uns bezüglich unseres Kenntnisstands irren, kann der nächste Schritt ebenfalls ein Irrtum sein. Und das, ohne dass wir das (sofort) bemerken.

Was können wir gegen diese Wissen-Illusion tun? Nicht viel! Wir können versuchen uns bewusst machen, dass es diese Illusion gibt. Wir können versuchen achtsam zu sein, wenn wir wichtige Entscheidungen treffen. Wir können testen, ob wir von einer Sache wirklich genug verstehen, indem wir uns wiederholt nach dem "Warum" fragen:

Warum ist der Himmel blau? - Wegen der Lichtbrechung!
Warum mach Lichtbrechung den Himmel blau? Weil Blau eine der Spektralfarben ist!
Warum ausgerechnet blau? - ...

Statt unserem Gefühl "ich weiß schon" nachzugeben, könnten wir vielleicht noch jemand anderes Fragen, wie er die Sache sieht.
Das waren aber auch schon die einzigen Tipps, die ich Ihnen bezüglich dieser Macke unseres Gehirns geben kann.

Mehr weiß ich wirklich nicht ...


Kompetent oder Schaumschläger?

In diesem Beitrag geht es um eine Gehirn-Funktion, die uns auf der einen Seite viel Zeit spart und auf der anderen Seite unter Umständen fatale Folgen haben kann. Es geht darum, wie unser Gehirn die Kompetenz fremder Menschen einschätzt. Es geht um die Strategie unseres Gehirns, sich über fremde Menschen mit wenig Informationen innerhalb kürzester Zeit ein Urteil über deren Fähigkeiten zu bilden.

Kompetent?


Eine Situation, in der wir entscheiden müssen, ob wir einem fremden Menschen eine bestimmte Kompetenz zutrauen, kommt recht häufig vor. Richtig wichtig ist es in Situationen, in denen wir uns das erste Mal bei einem neuen Arzt, beim neuen Steuerberater, beim Bank- oder beim Versicherungsberater einfinden. Beim ersten Treffen werden die Weichen gestellt. Unser Gehirn entscheidet, ob wir meinen, dass unser Gegenüber die Kompetenz besitzt, die es für die Erledigung unseres Anliegens benötigt. Aber nicht nur bei wichtigen Zusammentreffen wie beim Arztbesuch, sondern auch bei täglichen kleinen Treffen mit Kassiererinnen, Tankwarten und Verkäufern schätzt unser Gehirn die Kompetenz unseres Gegenübers laufend ein.

... oder doch nur Schaumschläger?


Leider ist der Mechanismus, mit dem unser Gehirn die Kompetenz eines fremden Menschen einschätzt, nicht perfekt. Ganz im Gegenteil. Wenn wir blind darauf vertrauen wie unser Gehirn die Kompetenz unseres Gegenübers einschätzt, könnte es sein, dass wir manchmal daneben liegen! Und das je nach Situation mit mehr oder weniger fatalen Folgen!

Das Sozial-Organ


Unser Gehirn ist ein Organ, das auf soziales Zusammenleben spezialisiert ist. Es gibt Experten, die behaupten, dass der Erfolg der Menschheit nur auf diese Spezialisierung unseres Gehirns zurück zu führen ist.

Mensch vs. Tier - 0:1


Die Argumentation zu dieser These ist sehr einleuchtend. Denn wenn wir uns mit anderen Säugetieren vergleichen, dann fällt die Bilanz unserer Überlebensfähigkeit nicht gerade schmeichelhaft für uns aus. Vergleichen wir unser Gebiss und unsere Krallen mit denen eines Löwen. Wer wird sich in der freien Natur eher durchsetzen können? Natürlich der Löwe, wir hätten keine Chance!

Mensch vs. Tier - 0:2


Vergleichen wir uns mit Pflanzenfressern wie die Rinder oder Ziegen, stehen wir ebenfalls schlecht da. Wir verwerten das pflanzliche Futter schlechter und haben keine Hörner oder andere körperlichen Eigenarten zur Verteidigung unseres Lebens. Die Punkte gehen auch hier nicht an uns sondern an Kuh und Zicke.

Mensch vs. Tier - 0:3


Und wie sieht es mit unserer Kraft aus? Wenn wir mit unserem kleinen Verwandten, dem Schimpansen, eine Runde Armdrücken würden, könnte es gut sein, dass er unseren Arm aus dem Schultergelenk dreht und sich wundert, warum dieser Arm nicht fest mit dem Körper verbunden war. Unsere Kraft ist lächerlich im Vergleich zur Kraft eines Menschenaffen.
Nimmt man all diese Punkte, ergibt sich: wir sind die geborenen Verlierer. Als einzelnes Individuum hätten wir in der Natur aufgrund unsere jämmerlichen körperlichen Ausstattung kaum eine Überlebenschance. Alleine wären wir so gut wie tot.

Trotzdem King!


Wie kommt es, dass wir Menschen uns trotzdem wie die Könige auf diesem Planeten fühlen dürfen?
Die Antwort liegt auf der Hand und Sie kennen sie: wir Menschen halten zusammen. Jedenfalls meistens. Und damit das mit dem Zusammenhalten auch richtig gut funktioniert, hat unser Gehirn sich zu einem "Zusammenhalten-Organ" entwickelt. Wir können nicht nur eigene Pläne machen, sondern können auch erkennen, welche Pläne die Anderen gerade verfolgen. Wir können entscheiden, ob wir den Anderen bei ihren Plänen helfen oder ob wir dagegen arbeiten. Wenn wir dagegen arbeiten, dann hat unser Gehirn meistens gute Gründe dafür. Wir entscheiden oft intuitiv, ob wir mit den Anderen kooperieren oder nicht. Das ist das Erfolgsrezept von uns Menschen: die Kooperation, der Zusammenhalt.
Unser Gehirn stellt sich auf einen anderen Menschen ein und produziert dabei ein Netzwerk von Assoziationen, Erinnerungen, Annahmen und Emotionen, die diesen Menschen beschreiben. Das macht unser Gehirn mit jedem Menschen. Selbst mit denen, die nur für einen kleinen Augenblick in unser Leben treten. Der Mensch in der Kassenschlange vor uns oder der Passant in der Fußgängerzone. Besonders intensiv ist diese interne Repräsentation von Menschen natürlich bei denen, mit denen wir öfter zu tun haben. Durch den wiederholten Kontakt wird unser Bild immer detaillierter und meist auch besser. Es können sich aber auch ungeprüfte Vorurteile über diesen Menschen verfestigen. Irgendwann haben wir ein Abbild dieser Person in unserem Kopf. Das hilft uns, die Person und ihre Fähigkeiten zu beurteilen und Voraussagen über sie und ihre Handlungen zu treffen. Wir lernen die Person und ihre Kompetenzen immer besser kennen. Wir wissen irgendwann, was die Person kann, was sie nicht kann und was wir ihr zutrauen können. Unsere Einschätzung der Person muss nicht korrekt sein. es reicht aus, wenn sie meistens richtig zu sein scheint.

Kennenlernen braucht Zeit


Der Nachteil dieser Art der Einschätzung anderer Menschen ist, dass der Weg dort hin sehr langwierig ist. Diese Strategie ist keine gute Methode für unser Gehirn, wenn es darum geht die Fähigkeiten und Kompetenzen von fremden Menschen in sehr kurzer Zeit einzuschätzen. Und hier beginnt das Dilemma.
Um die Kompetenzen und Fähigkeiten eines fremden Menschen einschätzen zu können, benötigen wir Zeit, die wir oft nicht haben, weil wir diese Entscheidung sehr schnell treffen. Wird der Pannenhelfer unser liegen gebliebenes Auto wieder flott bekommen? Wird der neue Arzt mir die richtige Diagnose stellen und die passende Behandlung verordnen? Wird mir der Bankangestellte das richtige Finanzprodukt anbieten?
Wir kennen diese Menschen nicht, müssen oder wollen aber deren Fähigkeiten vertrauen. Unser Gehirn benötigt irgendwelche Daten, um sich ein Urteil über die Kompetenz des Gegenübers zu bilden.

Manchmal versagt unser Gehirn


Und hier tappt unser Gehirn manchmal in folgende Falle: zeigt unser Gegenüber großes Selbstvertrauen, dann schätzen wir dessen Kompetenz automatisch als hoch ein.
Unser Gehirn leitet den Grad der Kompetenz vom Grad der zur Schau gestellten Selbstsicherheit ab. Und das, obwohl beide Eigenschaften eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Aus einer zur Schau getragenen Selbstsicherheit lässt sich eben nicht zwingend eine Kompetenz ableiten.
Selbstsicherheit kann aus der Kompetenz resultieren, muss aber nicht. Manchmal fällt unser Gehirn auf Schaumschläger herein. Ist Ihnen das auch schon passiert? Dass Sie erst später gemerkt haben, dass jemand nur über heiße Luft statt über Kompetenz verfügt?

Kein Rezept, oder doch?


Unsere Gehirn tappen gerne in diese Falle. Sie könnten aber folgenden Rat beherzigen: lassen Sie bei fremden Personen, die Sie nicht gut kennen, Vorsicht walten . Fragen Sie sich selbst: "Hat er oder sie seine Kompetenz schon bewiesen oder nehme ich diese Kompetenz nur aufgrund des selbstsicheren Verhaltens an?"
Üben wir das einmal: wenn ich Ihnen als Informatiker sage, dass 10 * 10 = 100 ist, dann werden Sie mir das glauben, weil sie es leicht nachprüfen können. Was ist, wenn ich Ihnen auch noch sage, dass 10 + 10 = 100 ebenfalls korrekt ist? Werden Sie mir das auch glauben?
Ich hoffe ja, denn es stimmt ganz sicher! So wahr ich ein kompetenter Informatiker bin!

Der Kampf mit dem Drachen

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nibelungendrache.jpg
Mein Bruder brach in das Eis ein und ich musste zu sehen, wie er in das kalte Wasser sank. Kurz zuvor flog ein Drachen über den in dieser kalten Jahreszeit zugefrorenen Teich. Der Drachen landete auf dem Eis. Allerdings ohne einzubrechen. Sein Kopf drehte sich in unsere Richtung und er blieb schließlich auf seinem Bauch liegen. Ich, ein damals gerade elfjähriger Junge, musste dann mit ansehen, wie mein Bruder sich im eiskalten Wasser abkämpfte, nur um diesen blöden Drachen zu bekommen.

Noch einmal gut gegangen

Diese Episode hat sich tatsächlich vor einigen Jahrzehnten so ereignet. Es war spät im November und mein Bruder und ich machten wie so oft den Wald in der Nähe unseres Elternhauses unsicher. Mein Bruder hatte einen kleinen Gummi-Drachen bei sich. Es war so eine Fantasie-Spielzeugfigur, mit der Jungs wie wir manchmal gerne spielten. Wir hatten uns diesen Drachen gegenseitig immer wieder zu geworfen und irgendwann flog er an meinem Bruder vorbei auf die Eisfläche des zugefrorenen Teiches. Mein Bruder wollte natürlich seinen Drachen wieder haben und rannte sofort hinter dem Spielzeug her. Nach ein paar Schritten brach er im Eis ein. Zum Glück war der Teich nicht besonders tief. Er sank nur bis zu Hüfte ein. Nach dem ersten Schrecken sondierte er die Lage und beschloss sich seinen Weg zum Spielzeugdrachen zu bahnen. Das Eis splitterte weiter, als er sich auf das Spielzeug zubewegte. Irgendwann war er nahe genug und konnte die Figur greifen. Dann kehrte er endlich zum Ufer zurück. Als er es erreicht hatte, herrschte ich ihn an und ordnete einen Sprint nach Hause an. Es war bitterkalt und mein Bruder drohte sich ordentlich zu erkälten. Zuhause angekommen ertrug unsere Mutter dann unseren aufgeregten Wortschwall, mit dem wir unser Abenteuer in den schillerndsten Farben beschrieben. Sie steckte meinen Bruder in die warme Badewanne und kochte uns dann eine warme Suppe.

War der Drachen rot oder grün?

Das Lustige an dieser Geschichte ist, dass mein Bruder und ich uns zwar gut an diese Jahrzehnte alte Geschichte erinnern können, der Drache jedoch in meiner Erinnerung rot und bei meinem Bruder grün war. Und wir haben beide recht! Meinen wir zumindest.

Erinnerungs-Illusion

Ist Ihnen das auch schon einmal so ergangen? Sie meinen sich an eine Begebenheit genau erinnern zu können und werden mit einer anderen Version dieser Erinnerung konfrontiert? Falls nicht, sind die Chancen groß, dass Ihnen so eine Diskrepanz nur noch nicht aufgefallen ist. Unser Gehirn leidet unter einer Macke, die Chabris und Simons die Erinnerungs-Illusion nennen. Jeder von uns hat diese Macke. Falls Sie das nicht glauben, weiter unten biete ich Ihnen ein Experiment an, das Sie sofort durchführen können. Und natürlich bekommen Sie auch wieder Lifehacks, mit denen diese Macke unseres Gehirns ein wenig gemildert werden kann. Bis dahin heiße ich Sie einmal wieder Willkommen im Club! Viel Spaß beim Lesen dieses zweiten Artikels der Reihe, die Ihnen zeigt, wie Ihr Gehirn sich die Welt zurecht dichtet, sich an falsche Dinge erinnert, den falschen Menschen vertraut, sich selbst mit der Wissens-Illusion die Karten legt und sich und anderen die Welt mit an den Haaren herbeigezogenen Ursache-Wirkungs-Theorien erklärt. Diese Artikel-Reihe lehnt sich an den Inhalt des lesenswerten Buches „Der unsichtbare Gorilla“ von Christopher Chabris und Daniel Simons an.

Gedächtnis wie ein Schweizer Käse

Unsere Gehirnforscher decken fast jeden Tag wahrhaft Erschreckendes über unser Gehirn und sein Erinnerungsvermögen auf! Nicht nur, dass unser Gehirn sich Dinge zusammen reimt, erfindet, abändert, löscht, verdrängt und vergisst. Nein. Es ändert dem Anschein nach mit jedem Abrufen der Erinnerung dieselbe. Mit der Erinnerung wird die Episode neu abgespeichert. Oft leicht verändert.
Es gibt noch keine exakten wissenschaftlich belastbare Zahlen, aber man vermutet anhand von belegten Einzelfällen, dass die Erinnerung an eine Sache erst nach rund zehn Jahren einigermaßen stabil wird. In diesen zehn Jahren wird die Erinnerung über Jahre zwischen dem Hippocampus - einem wichtigen Modul in der Mitte unseres Gehirns - und der Hirnrinde ausgetauscht, wobei sich die Erinnerung in der Hirnrinde immer mehr verfestigt. Dort wird sie letztendlich auch gespeichert. Aber erst nach rund 10 Jahren hört der Hippocampus auf, die Hirnrinde mit diesen Informationen zu versorgen. Erst dann ist die Erinnerung relativ statisch.

Abenteuer und mathematische Formeln

In unserer modernen Welt müssen wir uns von klein auf an eine Vielzahl von Dingen erinnern. Nicht nur die zum reinen Überleben wichtigen Dinge, sondern auch all die Sachen, die im Kindergarten, Schule, in der Disco und natürlich im Beruf gelernt werden. Tatsächlich speichern wir aber meistens nur Rahmeninformationen ab und rekonstruieren Details später beim Abruf. Dabei ist es unerheblich, ob wir uns an ein Abenteuer im Wald oder an eine mathematische Formel erinnern wollen. Vielleicht kennen Sie das blöde Gefühl, das einen beschleicht, wenn man eine mathematische Formel benutzt und genau weiß, das irgendetwas fehlt, man aber nicht darauf kommt, was es ist.

Nachdenkende Urahnen aussortiert

Doch wie kann es sein, dass unsere Vorfahren überlebt haben, wenn unser Gedächtnis so miserabel ist? Über Millionen von Jahren ging es für unsere Vorfahren schließlich um Leben und Tod! Mussten unsere Vorfahren etwa überlegen „war dieser Säbelzahntiger nun gefährlich oder nicht?“ Wahrscheinlich stammen wir nicht von denjenigen Urahnen ab, die diese Überlegung durchführen mussten. Nachdem der Säbelzahntiger die Situation geklärt hatte, war unser nachdenkender Vorfahr kein Mitglied des aktiven Genpools der Menschheit mehr. Die Sache mit den Nachkommen hatte sich für ihn erledigt.
Was ist also mit unseren Erinnerungen? Wieso konnten wir überleben, obwohl wir uns oft so schlecht und oft unrichtig erinnern?

Bloß nicht die Herdplatte küssen!

Eigentlich ist es ganz einfach: die wirklich wichtigen Dinge merken wir uns mit Leichtigkeit. Die berühmte heiße Herdplatte brauchen wir nur ein einziges mal berühren, um uns für den Rest des Lebens zu merken, dass das eine schlechte Idee war. Einen Kuss mit dem richtigen Partner vergessen wir in der Regel nie. Ebenso den Kuss mit dem völlig falschen Partner. Unser Gehirn identifiziert wichtige Episoden durch intensive Gefühle. Wenn starke Gefühle im Spiel sind, dann werden die dabei laufenden Muster an Hirnaktivität stärker verankert, als wenn wenig Emotion im Spiel ist. Mathelehrer werden das zu ihrem Leidwesen bestätigen können.

So speichern Gehirnforscher Erinnerungen

Es muss aber nicht immer die Emotion sein, die eine Speicherung als Erinnerung vereinfacht. Auch die Wiederholung ist ein gutes Mittel, um eine Erinnerung zu erzeugen und möglichst korrekt zu erhalten. Wer etwas Neues lernen möchte, der sollte diese neue Sache auf eine bestimmte Art und Weise wiederholen. Einige Hirnforscher vermuten, dass 10 Wiederholungen ausreichend sind. Wichtig ist, dass die ersten 2 Wiederholungen einer neuen Information innerhalb von 30 Minuten stattfinden. Der Vorgang, der eine Erinnerung mit großer Wahrscheinlichkeit in unseren Kopf einpflanzt sieht also wie folgt aus:
  • lernen
  • nach 10 Minuten wiederholen
  • nach weiteren 10 Minuten noch einmal wiederholen
Danach reichen rund 7 weitere Wiederholungen alle 1-2 Tage, so dass die Information nach 2 Wochen so stark gefestigt ist, dass sie nicht mehr vergessen wird. Ab jetzt sorgen die Mechanismen im Gehirn dafür, dass die Erinnerung in die Hirnrinde hinein gespeichert wird. Allerdings nur, wenn wir schlafen. Ohne Schlaf wäre die ganze Lernarbeit für die Katz’.

Ein Experiment für Sie

Wollen Sie einmal ein kleines Experiment machen? Merken Sie sich dazu bitte folgende Wörter: Bett, Ruhe, wach, müde, Traum, aufwachen, schlummern, Decke, dösen, eindämmern, schnarchen, Nickerchen, Frieden, gähnen, schläfrig. Für den Moment brauchen Sie nichts weiter zu tun. Wenn Sie die Wörter gelesen haben, ist erst einmal alles gut, wir kommen später darauf zurück.

Schlecht erinnern ist normal

Wie gut können Sie sich lange Zahlenreihen merken? Telefon- oder Kontonummern? Haben Sie auch schon einmal Ihren Auto- oder Wohnungsschlüssel gesucht und konnten sich nicht erinnern, wo Sie ihn hin gelegt haben? Falls Ihnen so etwas schon passiert ist, dann ist alles in Ordnung, Ihr Gehirn arbeitet normal. Falls Sie zu den wenigen Menschen gehören, die noch nie etwas vergessen haben, sollten Sie einen Arzt konsultieren, denn dann stimmt mit Ihnen etwas nicht. Wir wissen heute, dass unser Gehirn die Ereignisse um uns herum nicht wie eine Videokamera aufnimmt. Wir wissen auch, dass Erinnerungen plastisch sind und sich mit jedem Abrufen verändern können, ohne dass wir das merken. Es wäre auch eine wahnwitzige Energieverschwendung, wenn unser Gehirn alles akkurat abspeichern würde, mit dem es zu tun gehabt hat. Welchen Sinn hätte es, die Wandfarben eines jeden Ortes zu erinnern, an dem man je im Leben gewesen ist? Unser Gehirn benötigt mit all seinen Defiziten alleine schon 20% des Energiehaushaltes unseres Körpers. Wenn es alles perfekt machen wollte, käme es selbst mit diesen 20% nicht hin. Es muss ökonomisch haushalten und selektieren, welche Ereignisse einen Speicherprozess wert sind und welche nicht.

Ihr Gehirn vera..... Sie!

Das Dumme an dieser gewöhnungsbedürftigen Art Erinnerungen zu speichern ist, dass wir die fehlenden oder geänderten Informationen nicht bemerken. Unser Gehirn gibt uns das Gefühl, dass es alles wichtige korrekt und detailgetreu abspeichern kann. Natürlich haben wir manchmal das Gefühl, dass wir etwas vergessen haben, dass wir uns an etwas bestimmtes nicht erinnern können. Das ist aber nicht weiter schlimm. Viel tragischer ist es, wenn wir uns erinnern. Dann denken wir nämlich, dass unsere Erinnerung die korrekte Darstellung einer vergangenen Episode ist und wir kommen in der Regel nicht auf die Idee, dass unsere Erinnerung falsch oder unvollständig sein könnte. Meistens hat dieser Trugschluss keine größeren Auswirkungen.
Erinnern Sie sich, welche Form und Farbe die letzte Türklinke hatte, die Sie bedient haben? War sie rund oder eckig oder war es ein Knauf? War sie aus Stahl, Messing, Chrom oder Kunststoff? Wenn Sie sich daran erinnern, dann kontrollieren Sie bitte, ob Sie recht haben. Falls ja, handelt es sich vermutlich um eine Türklinke in einer vertrauten Umgebung. In Ihrer Wohnung vielleicht. Fremde Türklinken werden in den seltensten Fällen von unserem Gehirn abgespeichert. Ja manch einer erinnert sich sogar an Türklinken, wo gar keine sind. Das ist die Erinnerungs-Illusion: das, woran wir uns erinnern ist nicht das, woran wir uns zu erinnern glauben.

Erinnern Sie sich?

Da wir gerade beim Erinnern sind. Versuchen Sie doch bitte, sich so gut es geht an die Worte aus der Liste weiter oben zu erinnern. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und versuchen sie so viele Worte wie möglich aufzuschreiben. Es waren 15 Worte. Nehmen Sie bitte Stift und Zettel oder öffnen Sie eben kurz eine Textverarbeitung und schreiben sie die Worte herunter.
Wenn Ihnen circa 8 Wörter einfallen, dann liegen Sie voll in der Norm. Nahezu niemand kann sich an alle 15 Wörter erinnern. Meistens kann man sich an ein paar Wörter vom Anfang der Liste erinnern und an ein paar vom Ende der Liste. Unser so überlegenes Gehirn kann aber kaum alle 15 Wörter speichern. Selbst der einfachste Computer aus den Anfangszeiten in den 1950er Jahren hätte kein Problem gehabt, diese 15 Wörter zu speichern. Ist das nicht traurig? Haben Sie die Wörter aufgeschrieben? Ich hoffe Sie haben es getan, denn ungefähr 40 % von Ihnen werden mit Ihrer Liste noch einen zusätzlichen Spaß haben. Falls nicht, schreiben Sie bitte jetzt die Wörter auf, an die Sie sich erinnern. Nehmen Sie sich ruhig Zeit!

Extra Spaß mit Ihrem Gehirn!

Schauen Sie einmal nach, ob in Ihrer Liste der erinnerten Wörter auch das Wort „Schlaf“ vorkommt. Wenn ja, dann gehören Sie zu den 40 % der Menschen, die es mit diesem Experiment schaffen, eine Erinnerungs-Illusion hervor zu rufen. Denn das Wort „Schlaf“ kam in der ursprünglichen Liste nicht vor. Kontrollieren Sie es ruhig. Unser Gehirn hat das Wort „Schlaf“ rekonstruiert und so getan, als ob es in der Liste vorkommen würde.

Lifehacks für besseres Erinnern

Dieser Artikel wäre kein Artikel aus der Lifehacker-Serie, wenn es nicht noch ein paar praktische Tipps geben würde.
Auf folgende Art und Weise können wir unseren Erinnerungen auf die Sprünge helfen.
  • Wiederholen, wiederholen, wiederholen. Okay, okay! Das weiß jeder, der einmal Schüler gewesen ist. Das brauche ich hier nicht extra zu erwähnen. Aber vielleicht probieren Sie einmal die Wiederholungsfrequenz, die weiter oben im Artikel beschrieben wird. Die, nach der man anfangs zwei Wiederholungen nach je zehn Minuten durchführen soll. Erinnern Sie sich?
  • Stellen Sie beim Erinnern die gleichen Umgebungsbedingungen wieder her, die beim Abspeichern geherrscht haben. Unsere Erinnerungen werden mit den Eindrücken aller Sinne gespeichert. Das, was wir sehen, hören, fühlen und schmecken wird mit der Erinnerung mehr oder weniger stark verbunden. Wenn wir diese Sinneseindrücke beim Abrufen der Erinnerung wieder her stellen (oder zumindest einen Teil davon), dann kann unser Gehirn die gewünschte Information schneller und einfacher finden.
  • Um Langzeiterinnerungen zuverlässiger zu machen, sollte man auch hier auf das Mittel der Wiederholung setzen. Allerdings kann das Abspeichern und Festigen der Erinnerung dadurch noch mehr verbessert werden, wenn bei der Wiederholung neue Informationen hinzugefügt werden. Das zwingt unser Gehirn zu einer Restrukturierung der ursprünglichen Information und zur Bildung neuer Assoziationen. Versuchen Sie also beim Erinnern zusätzliche Informationen, wie Gerüche, Farben, Töne oder Gefühle mit zu speichern. Das versorgt die Hirnrinde mit mehr Informationen und mit mehr Vernetzung. Mit mehr Vernetzung lassen sich Erinnerungen leichter abrufen.
Und zum Schluß noch eine kurze Frage: Wissen Sie eigentlich, wie oft Sie in diesem Artikel das Wort „Winter“ gelesen haben? Erst tippen, dann nachschauen!



Die Giraffe hat einen langen ...

Giraffe - PD images from John Walker
Wie würden Sie die Überschrift zu Ende führen? Oder besser gefragt: wie hat Ihr Gehirn es getan? In meiner Welt geht der Satz wie folgt weiter: „… Flug aus Afrika hinter sich.“

War Ihr Gehirn für die Fortführung „… Hals.“? Falls ja, keine Sorge. Ihr Gehirn arbeitet natürlich völlig normal. Es hat die wahrscheinlichste Fortsetzung des Satzes angenommen. Solche Diskrepanzen zwischen der wirklichen Welt und den Annahmen unseres Gehirns entstehen häufiger als man denkt. Die Welt da draußen ist oft anders. Meist, ohne dass wir es merken.

Lesen Sie in dieser Artikel-Reihe, wie Ihr Gehirn sich die Welt zurecht dichtet, sich an falsche Dinge erinnert, den falschen Menschen vertraut, sich selbst mit der Wissens-Illusion die Karten legt, sich und anderen die Welt mit an den Haaren herbeigezogenen Ursache-Wirkungs-Theorien erklärt und warum es gerne glaubt, dass in ihm unbenutztes Potenzial schlummert. Die Artikel-Reihe lehnt sich an den Inhalt des lesenswerten Buches „Der unsichtbare Gorilla“ von Christopher Chabris und Daniel Simons an und wird folgende Defizite unseres Gehirns in loser Folge behandeln:

1) Aufmerksamkeits-Illusion - wie wir oft nur meinen, wir würden alles mitbekommen
2) Erinnerungs-Illusion - heute so und morgen so
3) Selbstvertrauens-Illusion - Selbstvertrauen = Kompetenz?
4) Wissens-Illusion - Können Sie die Welt erklären?
5) Ursachen-Illusion - chronische Krankheit der Börsen-Gurus
6) Potenzial-Illusion - Sie nutzen nur 10 % Ihres Gehirns? Von wegen!

Die Aufmerksamkeits-Illusion


Der Mensch ist eigentlich ein Traumtänzer. Wir haben meistens dass Gefühl, dass wir wach und aufmerksam sind und alles mitbekommen, was um uns herum passiert. Leider gaukelt uns unser Gehirn dass oft nur vor. In Wirklichkeit, bekommen wir nur einen kleinen Aspekt unserer Umwelt mit.

Geheimnisvolle Sphinx


Sphinx by Ronald Rensink - Change Blindness
Sie kennen die beliebten Suchbilder? Hier sehen Sie zwei Menschen und eine Sphinx im Sand und im Hintergrund ein paar grüne Büsche und Palmen. Finden Sie den Unterschied zwischen beiden Bildern!

Wie oft mussten Sie die Bilder vergleichen, bis Sie den Unterschied bemerkt haben? Dreimal? Viermal? Noch öfter?

Unser Gehirn schaut sich zwar alles an, unser Bewusstsein bekommt aber nur die gefilterten Informationen präsentiert. Alles Unwichtige und Kategorisierte wird in der Regel ignoriert.

Was wir uns selten bewusst machen ist die Tatsache, dass unser Gehirn immer so arbeitet, nicht nur beim Suchspiel mit Bildern. Ob wir eine Mail lesen, unseren Kalender betrachten, einer Unterhaltung folgen oder einen Plan schmieden. Immer arbeiten wir mit der gefilterten Version der realen Dinge. Unser Gehirn ignoriert immer Unwichtiges und fasst Einzelinformationen zusammen. Und fast immer geht das gut. Fast.

Warum wir für Unfälle nie etwas können

Wenn wir immer alles mitbekommen würden, gäbe es keine Unfälle mit der Ursache „menschliches Versagen“. Aber es passiert. Jeden Tag. Wir stoßen mit Fußgängern, Fahrrad- und Motorradfahrern und anderen Autos zusammen. Und oft heißt es hinterher: „Es tauchte plötzlich vor mir auf!“

Unser Gehirn erwartet nicht das Unerwartete. Es erwartet nicht, dass plötzlich grüne Büsche aus dem Hintergrund verschwinden und es erwartet nicht, dass plötzlich Fußgänger auf der Straße auftauchen. Deshalb sehen wir diese Dinge nicht sofort. Untersuchungen zeigen, dass in Städten mit doppelt so vielen Fußgängern die Wahrscheinlichkeit von einem Auto angefahren zu werden um ein Drittel niedriger ist. In solchen Städten ist das Autofahrer-Gehirn an den Anblick von Fußgängern gewöhnt, es achtet besser auf sie.

Unachtsamkeit mit System

Unser Gehirn ist ein ökonomisch arbeitendes Organ. Es möchte immer ein optimales Aufwand/Nutzen-Verhältnis einhalten. Wenn wir mit dem Auto bekannte Strecken fahren, schaltet es auf Sparmodus. Wie oft ist es Ihnen passiert, dass Sie zu Hause oder auf der Arbeit angekommen sind und sich nicht an die letzten paar Kilometer Fahrt erinnern können? Dieser Blindflug hat System und wir sind daran gewöhnt. Anstatt Angst zu bekommen, was alles hätte passieren können, zucken wir die Schultern und sagen uns: „war mal wieder der Autopilot.“

Schlimmer noch! Vielleicht haben wir unterwegs sogar telefoniert und waren der Meinung unser Fahrzeug souverän über die Straße gesteuert zu haben. In Wirklichkeit haben wir einfach nur Glück gehabt, das nichts passiert ist. Denn unser Gehirn ist nicht in der Lage sowohl dem Straßenverkehr als auch dem Telefonat die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Es gaukelt uns diesen Eindruck nur vor. Wir erliegen der Illusion aufmerksam zu sein.

Kein Ausweg

Wie vermeidet man den Unaufmerksamkeitsfehler? Wie verhindere ich, dass ich der Aufmerksamkeits-Illusion erliege und nur meine, dass ich alles im Blick habe, obwohl es gar nicht so ist?

Im Auto? Gar nicht. Wir haben keine Chance im Auto auf Dauer so aufmerksam zu sein, wie wir es sein müssten, um wirklich jeden Unfall zu vermeiden. Dafür prasseln zu viele Informationen in kurzer Zeit auf uns herein. Die Verarbeitung der Sinneseindrücke dauert einfach zu lange und ist auf Dauer für unser Gehirn auch zu anstrengend. Im Auto müssen wir einfach weiter hoffen, dass es schon gut geht. Aber bei unserem Selbstmanagement, da können wir diese Falle entschärfen!

Ein Ausweg beim Selbstmanagement

Bei vielen Aufgaben des Selbstmanagements laufen wir Gefahr, der Aufmerksamkeits-Illusion zu erliegen. Wir schauen unsere Projektlisten durch und merken nicht, dass wir sie nur oberflächlich überfliegen. Oder wir meinen unseren Kalender zu überprüfen und unser Blick schweift unkonzentriert über die sieben Tage. Wir werfen einen Blick auf die Post-Its am Monitor und meinen, alle Notizen zu erfassen.

Wenn Sie wirklich sicher sein wollen, nichts unbemerkt zu übersehen, dann sollten Sie die übliche Routine fallen lassen und sich den Überblick über Ihre Dinge zum Beispiel wie folgt verschaffen.

Aufmerksame Kalender-Durchsicht

Wenn Sie Ihren Wochenkalender checken, kann es passieren, dass Sie zwar meinen, alle Einträge gesehen und geprüft zu haben, aber genauso leicht könnten Sie ohne es zu merken einen Eintrag übersehen haben. Um das zu vermeiden, könnten Sie alle Einträge einer Kategorie (oder dem Kalender) „ungeplant“ zuordnen. Im Laufe Ihrer Durchsicht weisen Sie dann jedem Termin die richtige Kategorie (den richtigen Kalender) zu. Also „beruflich“, „privat“, „Sport“ und so weiter. Sorgen Sie dafür, dass nach der Durchsicht kein Eintrag mehr als „ungeplant“ stehen bleibt. Durch diese Methode sorgen Sie dafür, dass Sie tatsächlich jeden Termin einmal aktiv und bewusst bearbeiten. Jeder Termin hat ihre Aufmerksamkeit, keiner fällt durch die Maschen. Damit haben Sie der Aufmerksamkeits-Illusion ein Schnippchen geschlagen!

Notizen durchsehen

Gehören Sie zu denjenigen Zeitgenossen, die viele Post-Its an den Monitor oder auf den Schreibtisch kleben? Wenn Sie diese Gewohnheit pflegen und ab und an alles durchsehen, ob jede Notiz auch aktuell ist, dann ist Ihnen vielleicht schon einmal passiert, dass Sie etwas übersehen haben, ohne es sofort zu bemerken. Um das zu vermeiden, sammeln Sie einfach bei der Durchsicht alle Post-Its ein und machen einen Haufen. Dann arbeiten Sie den Haufen von oben nach unten ab. Dabei nehmen Sie immer genau ein Post-It und überlegen, was damit zu tun ist: Wegwerfen, weil erledigt, etwas sofort machen, weil es nur ein paar Augenbicke dauern wird oder das Post-It wieder an seinen Platz kleben, weil Sie sich später darum kümmern wollen. Wenn Sie den Haufen auf diese Art systematisch abbauen, werden Sie dabei höchstwahrscheinlich nicht der Aufmerksamkeits-Illusion erliegen.

Fazit

Wir müssen akzeptieren, dass unser Gehirn uns nicht alles, was um uns herum passiert, bewusst macht. Meistens ist das auch nicht notwendig. In Situationen, in denen es uns wichtig ist, alles mitzubekommen, sollten wir ein Verhalten an den Tag legen, welches uns die bewusste Bearbeitung jedes Teilaspekts der Situation ermöglicht. Auf Dauer wäre dieses Verhalten zu anstrengend und zu aufwändig. Gezielt eingesetzt, unterstützt uns dieses Verhalten jedoch beim sicheren Erreichen unserer Ziele.

Meditation für jeden

©2006 by Carlos Estrada CC-BY-SA-2.5
Sie müssen kein Mönch sein und auch nicht viel Zeit aufbringen, um die Vorteile der Meditation zu nutzen. In wissenschaftlichen Kreisen ist inzwischen unumstritten, dass Meditation einen deutlichen Einfluss auf Aufbau und Funktionalität unseres Gehirns hat. Es wird berichtet, dass regelmäßiges Meditieren zu höherer Achtsamkeit, besserem Selbstgefühl, mehr Gelassenheit und zu effektiverer Stressbewältigung führt. Neu ist, dass bereits wenige Meditations-Übungen positive Veränderungen bewirken kann.
Es reicht aus regelmäßig ein paar Minuten Zeit zu investieren. Laut einem Artikel der Medical News Today beeinflussen schon wenige Übungen über einen Zeitraum von 5 Wochen unser Gehirn positiv.

So funktioniert das Meditieren für zwischendurch:

"Entspannen Sie sich mit geschlossenen Augen. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem, wie er durch Ihre Nasenspitze streicht. Machen Sie Ihren Kopf frei. Wenn Ihnen ein Gedanke kommt, akzeptieren sie ihn, lassen ihn gehen und konzentrieren sich wieder auf Ihren Atem."

Machen Sie diese Übung zwischendurch für 5 Minuten. Oder meditieren Sie ein paar Minuten lang morgens, vor dem Arbeitsbeginn. Wenn es Ihnen gefällt, meditieren Sie ein wenig länger. Egal wie oft oder wie lang Sie es tun, wenn Sie es regelmäßig tun, stellen sich auch bei Ihnen die vorteilhaften Effekte auf Ihr Gehirn ein. Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen!

Wie Sie sich mit Vitaminpillen in den Fuß schießen ...

Ein herrliches Beispiel, warum sich jeder Mensch mit der Funktionsweise seines Gehirns auseinander setzen sollte, ist jetzt Wen-Bin Chiou von National Sun Yat-Sen University, Taiwan aufgefallen. Denn unser Gehirn kann uns gehörige Schnippchen schlagen, ohne dass wir es bemerken.

Gehören Sie auch zu der Hälfte der Bevölkerung, die "gesunde" Zusatzpräparate wie Vitamintabletten, Mineralpillen oder sonstige Gesundheit versprechende Mittelchen zu sich nehmen? Chiou fiel auf, dass zwar der Verbrauch solcher Mittel wuchs, nicht aber mit dem Wachstum des Gesundheitsniveaus der Bevölkerung korrelierte. Entweder mussten diese Mittel wirkungslos sein, was von der herstellenden Industrie natürlich vehement abgestritten wird, oder es gab andere Gründe, warum die Gesundheit der Bevölkerung sich durch Einnahme der Präparate nicht verbesserte.
Chiou untersuchte diese Frage experimentell und zeigte, dass Menschen, die Gesundheitspräparate zu sich nehmen, dazu tendieren, sich gesundheitlich für gestärkt, ja unverwundbar zu halten. Diese Haltung zeigt sich insbesondere dadurch, dass diese Gruppe sich weniger bewegt und beim Essen eher sündigt, als die Gruppe, die keine Vitaminpillen nimmt.
Unbewusst gaukeln sich Vitaminpillen-Esser vor, dass die Vitaminpille ein Freibrief für maßlosen Genuss mit automatisch eintretender Gesundheit ist. Eine böse Falle! Unser Gehirn schadet uns, indem es eine Doppel-Belohnungsstrategie verfolgt. "Vitamine essen ist gut, weil es gesund macht. Weil ich gesund bin, kann ich schlemmen." Und uns armen Gehirnträgern muss das noch nicht einmal bewusst werden.

Die gute Nachricht für uns Gehirnbenutzern ist, dass wir über solche Dinge nachdenken können, sie uns bewusst machen können. Das ist hoffentlich mit Chious Untersuchung und diesem Blogbeitrag geschehen.

Falls Sie also unbedingt Zusatzpräparate einnehmen wollen, dann zusätzlich zur Bewegung und zur gesunden Ernährung. Sie heißen schließlich Zusatz- und nicht Anstattpräparate.

Frohe Ostern!


Die Informationen dieses Beitrags stammen aus dem Artikel "Are Dietary Supplements Working Against You?", veröffentlicht am 21.04.2011in ScienceDaily
Wen-Bin Chiou, Chao-Chin Yang and Chin-Sheng Wan. Ironic Effects of Dietary Supplementation: Illusory Invulnerability Created by Taking Dietary Supplements Licenses Health-risk Behaviors. Psychological Science, (in press)

Fokus und Effizienz mit dem Füller

Meistens schmunzeln die Leute um mich herum und sind ein wenig erstaunt, wenn ich meinen Füllfederhalter auspacke und beginne, mir in relativ gemächlichem Schreibtempo Notizen zu machen.

Sie sind es von mir eigentlich gewohnt, dass ich mit Laptop bewaffnet bin, das iPad im Anschlag habe und das Smart-Phone bediene. Oft ist das auch so: hier eine schnelle Notiz, die per Cloud in Nullzeit auf meinem Bürorechner landet. Dort ein Stichwort festgehalten, welches danach wie magisch in meiner Mail-Inbox auftaucht und auf die Verarbeitung wartet.

Wenn ich allerdings wichtige Themen behandle, dann sieht das bei mir ganz anders aus.

mit dem Füller schreiben ...

Wenn ich tiefer in eine Sache einsteigen möchte, dann ist immer die Zeit für meinen papiernen Notizblock und meinen Füllfederhalter gekommen.

Wie von Anne Mangen von der University of Stavanger berichtet wird, führt das handschriftliche Festhalten von Gedanken zu mehreren vorteilhaften Effekten:


  • Durch den motorischen Prozess des Schreibens werden mehr Regionen in unserem Gehirn aktiviert, als beim Tippen auf der Computer-Tastatur. Dadurch ist uns der Inhalt des Handgeschriebenen bewusster.

  • Dadurch, dass man länger braucht, um die Gedanken zu Papier zu bringen, erreicht man zwei weitere Effekte:

    1. Erstens konzentriert man sich automatisch intensiver und länger auf eine Sache, als es beim schnellen Hintippen nötig wäre. Dadurch fokussiert man besser.

    2. Zweitens hat unser Gehirn durch die zum Schreiben benötigte Zeit die Gelegenheit, mehr Verbindungen mit bereits bekanntem Wissen herzustellen und so das Geschriebene und die damit verbundenen Gedanken tiefer zu verankern.

Für wirklich wichtige Dinge ist es also sehr vorteilhaft, wenn wir handschriftliche Notizen machen. Ich persönlich benutze dabei tatsächlich lieber einen Füller als einen Kugelschreiber. Denn mit dem Füller muss ich noch langsamer schreiben, als ich es mit dem Kugelschreiber täte. Er funktioniert sonst nicht richtig. Weder auf dem Papier, noch im Kopf.




Warum Weber sein iPad2 vor Beck bekommt

Wussten Sie, dass der Nachname, den Sie in Ihrer Kindheit trugen, Ihr grundsätzliches Verhalten beim Ausnutzen einer guten Gelegenheit steuern kann?

Es gibt eine Korrelation zwischen Ihrem Nachnamen und Ihrem Verhalten, wenn es darum geht, an die Reihe zu kommen. Wenn Sie Schmidt, Zimmermann oder Winter heißen, werden Sie tendenziell eher in der Schlange vor einem Apple Store stehen, um das neue iPad 2 zu bekommen, als wenn Sie Becker, Fischer oder Bauer heißen.

Wissenschaftlern an der University of Chicago ist aufgefallen, dass Menschen, deren Anfangsbuchstabe des Nachnamens weit hinten im Alphabet stand, schneller auf Gelegenheiten reagieren, als die Menschen, deren Nachname vorne im Alphabet stand.
Sie erklären das damit, dass Kinder, die aufgrund ihres Nachnamens immer unter den Letzten waren, ein unbewusstes Verhalten entwickelten, um diesen Nachteil auszugleichen. Diese Kinder mussten häufig beobachteten, wie regelmäßig andere vor ihnen an der Reihe waren. Diesen Nachteil versuchen sie bei anderen Gelegenheiten auszugleichen. Die Kinder, die aufgrund ihres Nachnamens weiter vorne in Warteschlangen standen, zeigen diese Tendenz nicht, das sie es gewohnt als erste dran zu kommen.

Dieses "Gelegenheiten nutzen"-Verhalten lässt sich sowohl bei realen Produkten, wie auch bei eingeräumten Rabatten beobachten. Es sind immer die hinteren Nachnamen stärker vertreten als die vorderen.

Wie sieht es mit Ihnen aus? Sind Sie Schnäppchen- und Rabatt-Jäger? Wenn Sie an ihr eigenen Verhalten denken, können Sie diese Beobachtung auch bei sich machen?

Diese Information stammt aus dem Artikel "Why Do the Abbotts Wait, While the Zimmermans Rush to Buy?" auf ScienceDaily.

Kindergehirne

Als Lifehacker interessiere ich mich brennend dafür, wie unser Gehirn in bestimmten Situationen funktioniert. Die in diesem Bereich forschenden Wissenschaftler entwickeln immer bessere Erklärungen und Modelle, um unser Verhalten zu erklären. Dabei gibt es einen wichtigen Aspekt, der beim Verständnis der Funktionsweise des Gehirns eine Rolle spielt, nämlich wie wird das Gehirn eines Erwachsenen zu dem, was es ist?
Diese Frage führt zwangsläufig dazu, sich mit der Entwicklung von Kinder-Gehirnen zu beschäftigen.
In diesem Zusammenhang bin ich auf das Buch „10 schockierende Wahrheiten über Erziehung“ von Po Bronson und Ashley Merryman gestossen. Es behandelt den aktuellen Stand der Forschung in Sachen Kinder und birgt einige überraschende und erstaunliche Fakten.
Bevor ich in den Stoff abtauche, noch ein kleiner Hinweis für Sie. Falls Sie selbst momentan nichts mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, lesen Sie trotzdem ruhig weiter. Denn man kann nie wissen, wann einem ein Kind über den Weg läuft, mit dem man nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft interagieren könnte. Wie immer gilt, nutzen Sie jede Gelegenheit, die sich Ihnen ergibt.
Haben Sie sich entschieden weiter zu lesen? Prima, gut gemacht!

Loben

Wir kennen das. Eltern loben ihre Kinder gerne über den grünen Klee. Die unbedarften Kinderohren hören laufend Dinge wie: "Ach meine Kleine, du bist so schlau.", "Was bist du intelligent, mein Junge!", "Kind, du bist echt ein Genie!"

Eltern können wirklich grausam vor Liebe zu ihren Kleinen sein. Es gibt kaum einen schnelleren Weg das Selbstbewusstsein unserer Kleinen zu untergraben, als genau diese Art Lob! Derart gelobten Kindern wird suggeriert, dass Sie etwas Besonderes sind. Dass Sie die Eigenschaft besitzen, genial zu sein. Dass es ihnen einfach gegeben ist, dass sie so gut sind. Solange alle Aufgaben von einem derart beeinflussten Kind gemeistert werden, ist diese Suggestion kein Problem. Dem Selbstwertgefühl des Kindes geht es aber nur so lange gut, sie ihre Aufgaben lösen und alle gestellten Fragen beantworten können. In dem Augenblick, in dem unser Kleines eine Antwort nicht kennt, eine Aufgabe nicht löst oder eine Aktion nur mühsam und mit mäßigen Ergebnis durchführt, beginnt es an sich zu zweifeln. Ihm wird klar, dass es vielleicht doch nicht so schlau, doch nicht so gut, doch nicht intelligent genug sein könnte. Es entstehen Selbstzweifel und Unsicherheiten.

Wenn ein Kind merkt, dass die Ergebnisse nicht so gut werden, wie es sie sich erhofft hatte, dann wird es sich künftig eher Aufgaben aussuchen, bei denen es sich sicher sein kann, dass es gute Ergebnis erreicht. Es sucht sich lieber die leichten, einfachen Herausforderungen. Also Herausforderungen, die in Wirklichkeit keine mehr sind.
Die negativen Folgen für die Entwicklung des Kindes liegen auf der Hand. Wird Ihnen klar, was Eltern mit ihrem gut gemeinten Lob anrichten? Überlegen Sie einmal, was mit einem Kind passiert, das sich nicht mehr fordert, das sich nicht mehr an seine Grenzen bringt? Das aufgehört hat, sein Scheitern als Meilensteine des persönlichen Fortschritts anzusehen!

Richtiges Loben

Eltern - nein, eigentlich jede Bezugsperson - sollten die Anstrengung des Kindes loben. Und zwar so konkret und so zeitnah wie möglich. Wenn es sich zur Erledigung einer Aufgabe so stark anstrengt, wie es kann, dann ist diese Anstrengung das Lob wert. Das Ergebnis ist nachrangig. Und wenn das Ergebnis nicht so gut ausgefallen ist, dann sagen Sie es dem Kind. Es wird sich beim nächsten mal wieder anstrengen, eine Aufgabe zu erledigen, denn es möchte das Lob für seine Anstrengung bekommen.
Interessant ist, dass sich im Laufe der Jahre die Einstellung der Kinder zum Lob durch Erwachsene ändert. Kinder bis 7 Jahre finden jedes Lob einfach klasse. Später, zwischen 7 und 12 Jahren, hinterfragen sie die Ehrlichkeit des Lobs und finden schnell heraus, ob ein Lob nur eine hohle Phrase, ein Stereotyp oder ernst gemeint ist. Kinder ab 12 spornt es wiederum eher an, konstruktiv kritisiert zu werden. Sie empfinden das Loben oft als Aufmunterung an diejenigen, deren Leistungen schwach sind.
Übrigens, schwache Leistungen können - und nicht nur bei Kindern - auch von Schlafmangel herrühren.

Schlafen

Kinder brauchen Schlaf. Regelmäßig, viel, und zur rechten Zeit. So einfach ist das. Oder besser, so einfach könnte es sein.
Kinder schlafen heutzutage jede Nacht eine Stunde weniger als noch vor 30 Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vollgestopfte Kinder-Terminpläne, unregelmäßige Schlafenszeiten, Computer, TV, Handy, Eltern, die später von der Arbeit nach Hause kommen und unbedingt noch etwas Zeit mit den Kleinen verbringen wollten. Niemand kann sich in der heutigen Zeit davon frei machen nicht irgendwann einmal zum Schlaffresser eines Kindes geworden zu sein.
Wollen Sie wissen, was diese eine Stunde Schlafmangel bei Ihrem Kind bewirkt?

Die Horror-Liste des Schlafmangels

  • Die Auswirkungen von Schlafstörungen auf den IQ von Kindern gleichen der einer Bleivergiftung.
  • Eine Stunde Schlaf verringert die kognitiven Leistungen eines Sechstklässlers auf die Stufe eines Viertklässlers.
  • Mehr Schlaf korreliert mit besseren Schulleistungen. Sehr gute Schüler schlafen im Schnitt 15 Minuten mehr als gute. Gute Schüler 15 Minuten mehr als befriedigend benotete. Und so weiter.
  • Im Schlaf wird Gelerntes abgespeichert. Dass gilt übrigens auch für uns Erwachsene. Wer wenig schläft, dezimiert den Lernerfolg. Er sorgt dafür, dass die Lernanstrengungen des vorangegangenen Tages ineffizient werden. Kurz: es wird weniger behalten! Oder noch anders ausgedrückt: Ein Tag Lernen ist reinste Zeitverschwendung, wenn in der Nacht danach nicht ausreichend geschlafen wird!
  • Zu wenig Schlaf fördert Fettleibigkeit bei Kindern (Science Daily berichtete über diesen Zusammenhang am 07.09.2010.
Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind regelmäßig ausreichenden Schlaf bekommt. Dünnen Sie Ihre Terminkalender aus. Ja, Ihren und den Ihrer Kinder! Wenn die Regel lautet: um 8 geht es ins Bett, dann sollte diese Regel eingehalten werden. Auch wenn Papa oder Mama erst um Viertel vor Acht nach Hause kommt. Ändern Sie besser Ihr eigenes Verhalten, nicht das des Kindes! Dann läuft es besser mit dem Entwickeln von Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Begabung

Ist Ihr Kind begabt? Natürlich ist es das! Ich behaupte einfach einmal, dass alle Eltern davon überzeugt sind, dass ihr Kind über mindestens eine besondere Begabung verfügt. Eltern dürfen das! Aber wie sieht es mit Begabten-Tests aus, die landauf, landab in KiTas, Schulen und anderen Erziehungsstätten durchgeführt werden? Was sagen diese Tests über den weiteren Werdegang Ihres Kindes aus?
Nicht viel, wenn man ehrlich ist!
Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Während das eine Kind hervorragende motorische Koordinationsfähigkeiten zeigt, hat das andere im gleichen Alter vielleicht überdurchschnittliche Sprachfähigkeiten. Führen Sie den Test mit beiden Kindern ein Jahr später durch, kann das Ergebnis genau umgekehrt sein. Und zwar deshalb, weil diese beiden Kinder das getan haben, was Kinder nun mal tun: sich entwickeln.
Ein solcher Test hat keine Aussagekraft über den künftigen Werdegang Ihres Kindes. Verzichten Sie auf solch einen Humbug und fördern Sie Ihr Kind lieber in einer Weise, die Ihnen beiden Spaß macht, anstatt das Kind unter sinnlosen Stress zu setzen.

Sprechen

Es ist inzwischen ziemlich sicher, dass Kinder Sprache nicht alleine dadurch lernen, dass sie jemanden sprechen hören. Sie lernen auch nicht durch das, was sie selbst versuchen zu sprechen. Sie lernen einzig durch die Reaktionen ihrer Bezugspersonen auf ihr Gebrabbel. Sie lernen, dass das Wort, an dem sie gerade arbeiten, richtig ausgesprochen wurde, weil die Mutter beim Hören aufjauchzt. Sie lernen das Wort, weil Ihr Vater sie jubelnd auf den Arm nehmen und sie stolz zur Mutter tragen und dieser irgend etwas aufgeregt erzählen.
Kinder lernen Sprechen durch Feedback-Schleifen. Nicht durch Hören. Nicht nur durch Vorsprechen. Sondern durch durch die Reaktionen ihrer Umwelt auf das, was sie von sich geben.
Sie, liebe Eltern, können den Lernerfolg verbessern, wenn Sie Ihr Kind bei erfolgreichen Sprechversuchen sofort loben, indem Sie es anlächeln, es streicheln, sie jubilieren, oder es einfach liebevoll knuddeln.
Je zeitnaher und je häufiger Ihre Reaktion kommt, desto größer der Lernerfolg.
Das Geheimnis der Sprechförderung liegt in der Interaktion. Aus diesem Grund ist es absolut hirnlos, Kinder vor den Fernseher zu setzen, CDs abzuspielen oder DVDs einzulegen, damit diese durch die akustischen Reize Sprache lernen. Für die Kinder ist das nur Krach, sonst nichts.
Wenn Sie mit Ihrem Kind seine Sprachfähigkeiten ausbauen wollen, investieren Sie nicht in CDs, sondern in gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind!

Fazit

Das Buch von Bronson und Merryman vermittelt vielleicht nicht gerade schockierende Wahrheiten - wobei zart besaiteten Gemütern das von mir hier ausgesparte Kapitel über lügende Teens vielleicht doch an die Nieren gehen könnte. Es offenbart jedoch aufschlussreiche Erkenntnisse der aktuellen Forschung. Aus meiner Sicht das Buch ein absolutes Muss für moderne Eltern.
Es ist aber auch eine sehr spannende Lektüre für jeden, der sich für aktuelle Gehirnforschung interessiert. Denn wir alle waren einmal Kinder, die gelogen, geschummelt, gestritten und geschlagen haben. Manch eine meiner persönlichen Erfahrungen fand in diesem Buch eine Erklärungen. Für diese Aha-Effekte danke ich den Autoren.




Wie magisches Denken Ihnen zu Erfolg verhilft

In meinem letzten Artikel habe ich auf ein merkwürdiges Nebenprodukt unserer Gehirn-Aktivität aufmerksam gemacht, dem magischen Denken. Unser Gehirn ist sehr routiniert beim Finden von Regeln. Es möchte Zusammenhänge zwischen den Dingen erklären und voraussagen können. Und wenn es einmal keinen Zusammenhang zwischen zwei Dingen gibt, dann kann es durchaus sein, dass unser Gehirn einfach eine Regel erfindet, die diesen Zusammenhang herstellt, selbst wenn da gar keiner ist!

Und es ist ein wahrer Meister im Erfinden von diesen virtuellen Regeln. Kennen Sie zum Beispiel diese Regeln: "Immer wenn ich meinen Regenschirm zu Hause vergesse, dann regnet es"? Oder "ich nehme den Regenschirm mit, damit es nicht regnet"?

Der aufgeklärte Mensch weiss, dass das Mumpitz ist. Ob es regnet oder nicht, hängt vom Wetter ab, und nicht von unserem Regenschirm. Aber irgendwie macht es ein gutes Gefühl, wenn man sich diesen abergläubischen Schlussfolgerungen hingibt. Und es schadet ja auch nichts, nicht wahr?
Solange Aberglaube nicht zwanghaft gelebt wird, schadet es wohl wirklich nicht. Wie im letzten Blog-Beitrag geschrieben ist meiner Meinung nach magisches Denken so lange akzeptabel, wie wir uns dessen bewusst sind und wie wir uns und unserem Umfeld damit nicht schaden.

Glücksbringer bringen Glück

An der Uni Köln haben Wissenschaftler der Sozialpsychologie nun gezeigt, dass Aberglaube durchaus einen Einfluss auf den eigenen Erfolg haben kann. Ja, es ist jetzt so zu sagen nachgewiesen, dass das Streicheln einer Hasenpfote Glück und Erfolg bringen kann.

Prof. Dr. Thomas Mussweiler und Dipl. Psych. Barbara Stoberock haben in verschiedenen Experimenten untersucht, ob der Aberglaube das Ergebnis einer zu erledigenden Aufgabe beeinflussen kann. Die genauere Beschreibung des Experiments kann man auf Science Daily nachlesen. Zusammengefasst lässt sich Folgendes sagen: Die Probanden sollten zur Untersuchung einen persönlichen Glücksbringer mitbringen. Sie wurden in zwei Gruppen geteilt, wobei einer Gruppe die Glücksbringer unter einem Vorwand vorenthalten wurden. Beide Gruppen erledigten darauf hin verschiedene Aufgaben. Die Gruppe ohne Glücksbringer schnitt insgesamt schlechter ab, als die Gruppe, die mit Glücksbringer arbeiten durfte.
Falls Sie also zu Prüfungen oder bei schweren Aufgaben normalerweise Ihren Glücks-Teddy dabei haben, dann sollten Sie darauf achten, ihn auch immer dabei zu haben. Denn wenn Sie eine schwere Aufgabe aus irgendeinem Grund einmal nicht mit Ihrem Teddy angehen, sinken Ihre Chancen auf ein gutes Ergebnis! Stoberock führt diese Erkenntnisse in einem Interview mit dem SWR anschaulich aus.

Was lernen wir Lifehacker daraus? Ganz einfach. Wer nie etwas mit Glücksbringern oder Talismanen zu tun hatte, der kann ruhig weiter ohne sie zu seinen gewohnten Erfolgen kommen. Wer jedoch bisher schon Glücksbringer oder Rituale genutzt hat, sollte tunlichst darauf achten, sie auch bei künftigen Aufgaben einzusetzen, weil die Anwesenheit des Glücksbringers tatsächlich in dem Sinne Glück bringen kann, dass statistisch gesehen der Erfolg der zu meisternden Aufgabe höher ausfallen wird, als ohne ihn!

Ist schon ein eigensinniges Organ, unser Gehirn!

Wie magisches Denken Sie begleitet

Na? Hat die Ampel vor Ihnen heute wieder auf Rot umgeschaltet, als Sie sich mit dem Wagen näherten? Macht sie das nicht fast immer? Immer dann, wenn Sie ankommen!

Sind Sie auch mal ein wenig spät zu einem Termin unterwegs gewesen, und ausgerechnet dann kreuzten sämtliche autofahrende Schnarchoiden Ihren Weg und bremsten Sie aus? Wobei natürlich auch noch mehr Ampeln als sonst auf rot umsprangen!
Haben Sie schon einmal versucht, mit einer Holland-Fahne in den Händen für Deutschland zu jubeln? Wie, das geht nicht? Das geht gar nicht?

Haben Sie gestern im Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung die Prognosen für den heutigen Aktienmarkt gelesen? Und haben Sie heute gelesen, warum es hier und da dann doch anders gekommen ist? Und lesen Sie danach fleißig die Prognosen für den morgigen Aktienmarkt?

Risiken und Nebenwirkungen...

Eine der schlimmsten Nebenwirkungen der Arbeitsweise unseres Gehirns ist, wie Thomas Grüter es in seinem Buch nennt, magisches Denken.
Diese Nebenwirkung tritt durch eine der großartigsten Stärken unseres Gehirns auf. Es ist die unglaublich leistungsfähige Mustererkennung und -verarbeitung unseres Gehirns. Durch diese Fähigkeiten finden wir uns nicht nur in der optischen, akustischen, taktilen und olfaktorischen Welt zurecht. Nein, unser Gehirn nutzt die Mustererkennung auch, um automatisch Regeln zu produzieren und anzuwenden. Meistens für die Planung von Aktionen und künftigen Verhaltens. Bei korrekt erkannten Regeln ist das auch gut so. Merkwürdig verhalten wir uns allerdings immer dann, wenn unser Gehirn nicht genug Informationen über eine Sache erhält und trotzdem Regeln entwirft.
Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Spielbank an den Roulette-Tisch, setzen gleich als erstes auf die 17 und gewinnen. Beim nächsten Spielbank Besuch setzen sie wieder als erstes auf die 17 und gewinnen wieder. Ein reiner Zufall, der aber durchaus passieren kann. Frage: wie werden Sie sich verhalten, wenn Sie die Spielbank ein nächstes mal besuchen? Werden Sie nichts setzen? Werden Sie eine beliebige Zahl setzen? Ihr Gehirn hat, unterstützt vom Glückserlebnis zweier unerwarteter Gewinne, eine Gewinnregel entwickelt. Höchstwahrscheinlich wird Sie ein starker Drang dazu bringen, wieder auf die 17 zu setzen, obwohl die vernünftige Stimme in Ihnen sagt: "Das war letztens doch nur Zufall!". Magisches Denken.

Wie man Gold macht

Wenn ich das Wort "Magie" höre, denke ich an Harry Potter, an Zauberer, Hexen und Alchemisten. Alchemisten waren Menschen, die potenten Geldgebern versprachen aus wertlosen Stoffen reines Gold zu machen. Man munkelt, dass die Alchemisten sogar selbst daran glaubten, so etwas hin zu bekokmmen. Wir modernen Menschen wissen, wie diese Geschichte ausgegangen ist und können darüber heute nur lachen: Die Geldgeber wurden immer ärmer und die Alchemisten konnten dem Auftraggeber natürlich kein Gold aushändigen. Einfach lächerlich, diese unaufgeklärten, dummen, mittelalterlichen Menschen!

Wo wir gerade bei Gold sind, fällt mir ein: haben Sie in Zeiten der Finanzkrise zur Absicherung auch in Gold investiert? Haben Sie sich dabei den Goldbarren aushändigen lassen und in Ihren Schrank gelegt oder hat Ihnen der Banker ein Zertifikat aus Papier gegeben? Schauen Sie mal nach! Falls Sie keinen echten Goldbarren im Schrank liegen haben, dann sollten Sie den vorherigen Absatz über die an Magie glaubenden Auftraggeber der Alchemisten noch einmal in Ruhe durchlesen. Hier noch ein kleiner Hinweis von mir: ein Stück Papier ist kein echtes Gold.
Es tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen, aber Sie werden recht dumm aus der Wäsche schauen, wenn alle Zertifikats-Besitzer ihr Gold wirklich haben wollen, um es in den Schrank zu legen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie so einfach an einen echten Goldbarren kommen werden. Aber wir wollen dem Banker natürlich gerne glauben, dass er Ihr teuer gekauftes Stück buntes Papier jederzeit in echtes Gold verwandeln kann. Magisches Denken.

Was machen wir damit?

Magisches Denken ist in uns. Es ist Teil des Menschseins. Ob sich magisches Denken in Religion, im Glauben an bestimmte Heilverfahren, durch Ufologie, in den Prognosen der Aktienmärkte oder beim Autofahren manifestiert. Es ist nur die individuelle Ausprägung dieser Nebenwirkung der Arbeitsweise unseres Gehirns. Eine Holland-Fahne ist nüchtern betrachtet nur bunt bedruckter Stoff, der sich sehr wohl zum Jubeln und Winken eignen kann. Aber wir interpretieren Dinge hinein. Magie kann uns stärken und schwächen. Sie kann gut für uns sein und sie kann schlecht für uns sein. Wenn wir wissen, dass wir recht oft magisch denken, haben wir die Wahl der Magie zu folgen, oder uns schmunzelnd anderen, wichtigeren Dingen zuzuwenden.

Zum Abschluss noch ein Link auf einen schönen, englisch-sprachigen TED-Talk von James Randi über sogenannte Magier und den unbegründeten Glauben an Dinge.

Sie und Ihr Gehirn lieben die Natur ...

... und Ihr Gehirn belohnt Sie, wenn sie sich nach draußen begeben!

Ich hatte bereits im Blog-Beitrag "Ein grüner Arbeitsplatz ist ein guter Arbeitsplatz" ausgeführt, warum es sinnvoll ist, sich im Büro mit Pflanzen zu umgeben. Dort riet ich, dass Sie an Ihrem Arbeitsplatz für einen Blick auf eine Landschaft oder wenigsten auf gesunde Pflanzen sorgen sollten.

Natur Estland von Robert Marschelewski / DevilStar (http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Natur_Estland.jpg)
Das Webportal Science Daily verweist auf eine aktuelle Meta-Studie aus März 2010, die meine Überlegungen in etwa bestätigt. Diese Meta-Studie zeigt, dass Sie sich mit nur 5 Minuten in der Natur eine direkte, starke, positive und vor allem nachhaltige Wirkung auf Ihr Empfinden und Ihr Selbstwert-Gefühl verschaffen können.
Dabei ist es egal, ob Sie draußen Gartenarbeit durchführen, ein wenig Joggen, gemütlich Spazierengehen oder einfach nur auf einer Parkbank sitzen und die Umgebung auf sich wirken lassen. In allen Fällen lässt sich die Verbesserung der körperlichen und geistigen Gesundheit feststellen. Außerdem steigert sich Ihr Selbstwert-Gefühl nachweislich. Eine kostenlose Premium-Wirkung erhalten Sie, wenn Sie sich in der Nähe von Wasser aufhalten. Wasser steigert den positiven Effekt noch einmal!

Es kann also extrem einfach sein, sich einen Power-Boost für das Selbst-Empfinden zu geben: "Rein in die Schuhe und raus aus der Hütte!"

Falls Sie es also heute noch nicht gemacht haben: Gehen Sie, jetzt!

Ein grüner Arbeitsplatz ist ein guter Arbeitsplatz

Wollen Sie nicht den Winter in Gedanken einmal hinter sich lassen? Stellen Sie sich doch einmal vor, es wäre Frühling oder Frühsommer. Die Sonne scheint. Sie sind draußen. Die warme Luft streift über Ihr Gesicht. Das Zwitschern der Vögel ist zu hören. Insekten schweben geschäftig kreuz und quer durch die Luft.
Stellen Sie sich vor, Sie würden auf einer leichten Anhöhe stehen. Sie blicken hinab auf eine saftige, grüne Wiese. Ein kleiner Bach schlängelt sich dort unten entlang. Am Rand eines bestellten Ackers stehen ein paar vereinzelte Obstbäume, deren Kronen sanft im Wind wiegen. Dieser Ort lädt zum Rasten ein.

Haben Sie dieses Bild? Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, es zu genießen. Schließen Sie Ihre Augen. Lassen Sie im Geiste die schönste Landschaft erscheinen, die sich sich ausdenken können. Riechen Sie die Sommerluft? Hören Sie das Zirpen, Zwitschern und Rascheln der geschäftigen Natur? Achten Sie auf das Plätschern des Bachs. Spüren Sie die warme Sonne auf Ihrem Gesicht? Vielleicht wollen Sie jetzt einmal tief durchatmen und sich beim Anblick dieser Idylle einfach wohl fühlen?

Dieses heimelige Gefühl, das der Anblick einer gepflegten Landschaft in unserem Kopf auslöst, die Ruhe, die ein langsam fließender Bach ausstrahlt, die Zuversicht, die ein bestellter Acker in uns auslöst. All diese Dinge berühren uns in unserem tiefsten Inneren. Es ist eine Erbschaft des jahrtausende alten Überlebenskampfes der Menschheit aus der Zeit, als unsere Ahnen noch in und mit der Natur gelebt haben. Als es für uns Menschen noch um das Überleben ging. Eine Zeit, in der das Wasser eines Bachs zum Leben notwendig war. In der die Gemeinschaft das Land bestellte und damit dem Einzelnen Nahrung und Schutz bot.

Diese Zeiten sind in unserer westlichen Welt natürlich schon lange vorbei. Das Erbe dieser alten Zeiten schlummert jedoch in uns. Es ist noch da. In jedem von uns.

Auch wenn heute moderne Stahl- und Glaspaläste unser Zuhause sind. Unsere Natur können wir auch im 21. Jahrhundert nicht ignorieren. Wir mögen Landschaften, die Hinweise auf Wasser und Nahrung geben. Landschaften, die Schutz und damit Sicherheit versprechen. Landschaften, denen man ansieht, dass sie von einer menschlichen Gemeinschaft geformt wurden.
Ja, wir lieben schöne Landschaften. Allerdings ist uns modernem Menschen das nicht immer bewusst. Ab und zu wird es jedoch offenkundig. Spätestens dann, wenn wir tief in unsere Geldbörse greifen, um den nächsten Urlaub in einer schönen Gegend zu buchen, nicht wahr?

Aber wie sieht unser heutiger Arbeitsplatz aus?

Die Eindrücke einer guten, einer schönen Landschaft sind aus unserer modernen Bürowelt verbannt. Unsere Arbeitswelt wird von nackter Funktionalität regiert. Ebene, farblose Flächen bestimmen das Antlitz unserer Büros. Die kahlen, leeren Flächen, die schlechte Luft und die rasselnden Lüfter der PCs verwirren unsere Sinne, statt sie zu beruhigen. Statt von Luft, Wasser, Tieren und Pflanzen sind wir umgeben von seelenlosen Dingen wie Telefonen, Tastaturen und Stahlschränken.

Ist das gut so? Nein, natürlich nicht!

Der ältere Teil unseres Gehirns scheint für uns unbewusst laufend auf der Suche nach Hinweisen zu sein, die Anzeichen für Sicherheit und Geborgenheit in unserer Umgebung sein könnten. Diese gibt es aber in der künstlichen Bürowelt nicht und so sucht es weiter und wir sind nicht 100% bei unserer Arbeit.
Anders lässt sich die Beobachtung wohl kaum erklären, dass in Versuchen gemessen werden konnte, dass die Effizienz der Arbeit in Räumen mit Pflanzen signifikant höher ist, als in Räumen ohne Pflanzen.

Sicher hat jeder von uns schon einmal gelesen, dass Planzen die Büroluft reinigen und viele Menschen Pflanzen im Büro einfach mögen. Neurobiologen liefern eine weitere Erklärung für den positiven Effekt von Pflanzen. Sie vermuten, dass Pflanzen Assoziationen an Landschaften wecken. An jene kultivierte Landschaften, die das oben beschriebene Gefühl von Sicherheit und Gemeinschaft erzeugen.
Dieses Gefühl bewirkt, dass Sie sich die Ruhe und Gelassenheit auf etwas anderes als das reine Überleben konzentrieren können, zum Beispiel auf Ihre Arbeit.

Warum stellen Sie daher nicht einfach einige schöne Pflanzen in Ihrem Blickfeld auf? Schon ein paar grüne Topfpflanzen sind ausreichend und zeigen Wirkung. Je gepflegter die Pflanzen aussehen, desto besser.
Um seine Pflanzen gedeihen zu lassen, reicht in der Regel ein helles Plätzchen. Wenn Sie zwei bis dreimal in der Woche ein wenig Wasser geben, ein paar Blätter zupfen, und ein paar nette Worte an die Pflanze richten, wird sie es Ihnen mit gesundem Wachstum danken. Ich halte es zum Beispiel so, dass ich diese Pflege gerne in einer der vielen Pomodoro Pausen erledige.

Weiterführende Lesehinweise:
Der Einfluss unserer Herkunft auf unseren Arbeitsplatz:
http://www.gartentechnik.de/News/2005/10/27/neandertaler_am_schreibtisch/

Dr. Manfred Spitzer über die Wirkung der grünen Natur auf uns Menschen:
http://www.schattauer.de/en/magazine/subject-areas/journals-a-z/nervenheilkunde/contents/archive/issue/988/manuscript/12196/download.html

Selbsttest mit wochenlanger "Überlastung"

Manchmal ist es sehr lehrreich, wenn ich am eigenen Leibe erfahren darf, wie gut oder wie schlecht die ganzen Tipps und Kniffe funktionieren, die ich als Trainer im Effizienz-Seminar meinen Teilnehmern ans Herz lege.

Ich stehe seit Wochen unter höchster Belastung. Ein C++ Seminar, das ich in meiner Eigenschaft als IT-Trainer halte, bindet mich täglich für circa 11 Stunden. Daneben muss ich mich natürlich auch um meine anderen Geschäftskunden meines IT-Systemhauses kümmern. Außerdem steht das Jahr 2010 vor der Tür und es sind einige Veranstaltungen, Marketing-Maßnahmen und Druck-Produkte zu planen oder bereits in Entwicklung. Alles in allem genug Arbeit für drei. Auch die Dauer dieser seit Wochen anhaltenden Mehrfachbelastung zeigt langsam deutlich Wirkung.

Ich bin sicher, dass ich mir schon längst größere Schnitzer geleistet hätte, wenn ich mich nicht in meinem Sicherheitsnetz von organisatorischen Tricks und Kniffen bewegen würde. So kostet es mich immer nur einen kurzen Blick in meine Listen, um zu sehen, was gerade wichtig ist und was nicht. Dadurch kann ich sicherstellen, dass nichts unbemerkt kaputt gehen kann. Das verschafft mir Sicherheit und Ruhe.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist meine Projekt- und Nächste-Aktionen-Liste, die ich aus David Allens GTD System adaptiert und angepasst habe. Nach wie vor werden in dieser Liste ausnahmslos alle Aktionen erfasst. Allein die Tatsache, dass ich sicher sein kann, dass ich nichts vergesse, bringt schon eine hohe Souveränität in mein Handeln, da ich jede Entscheidung etwas zu tun oder zu lassen mit einem Optimum an Informationen fällen kann. Das ist sehr beruhigend.

Ich kann auch, wenn ich am Ende des Tages oder am Ende der Woche merke, die Zeit oder die Kraft reicht nicht für alle Aufgaben aus, mit einem Blick erkennen, welche Sache liegen zu lassen am wenigsten Schaden anrichtet.

Durch die Pomodoro Technik schaffe ich es, wenn nötig, auch nach einem 14 Stunden Tag noch einen Endspurt an nicht aufschiebbaren Tätigkeiten durchzuführen und so noch einige Aufgaben Stunden effizient zu erledigen.

So bleiben die notwendigen Freiräume für Kreativität und Ausgleichssport erhalten.

In einigen Wochen wird dieser immense Druck zum Glück vorbei sein, da das Programmier-Seminar dann beendet sein wird. Ich freue mich schon darauf durchzuatmen und mich verstärkt meinen Plänen für 2010 zuwenden zu können. Das Gute an meiner stressigen Situation zur Zeit ist, dass ich einmal mehr testen und ausprobieren kann, wie meine ineinander greifenden Systeme und Techniken auch unter Vollast gut und sicher funktionieren.

Trotz "Überlastung" fühle ich mich gut.